Dax-Kurve
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Nachhaltigkeit spielt für Investoren inzwischen eine große Rolle - aus ökonomischen Gründen. Ein Hebel, der viel in Bewegung setzen kann.

Der Klimagipfel in Paris war für die Finanzwelt ein Wendepunkt. Es geht nicht mehr darum, ob sich die Welt auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft umstellt, sondern wann. Ein plötzlicher Umstieg könnte das System erschüttern: Dann würden Kohleminen, Ölquellen, Kraftwerke, aber auch Abermillionen Autos ihren Wert verlieren. Die Beratungsgesellschaft Mercer hat ausgerechnet, dass der Börsenwert von Öl- und Gasunternehmen in den nächsten Jahrzehnten um 1,4 Billionen Euro sinken könnte.

Aus Sicht der Finanzindustrie ein Katastrophenszenario: "Wir nehmen das sehr ernst, weil wir als Investoren sehr stark davon betroffen sind. Beispiel Energieerzeugung aus Kohle: Als Investoren müssen wir damit rechnen, dass das Ende der Kohleverstromung schon viel früher kommt", sagt Michael Schmidt, Geschäftsführer von Deka Investment, eine der größten deutschen Fondsgesellschaften.

Die Gefahren für das Finanzsystem hat auch die EU erkannt und einen Aktionsplan mit zehn Maßnahmen für ein nachhaltiges Finanzsystem auf den Weg gebracht. Michael Schmidt saß in der Expertengruppe: "In jedem Stück Finanzmarktregulierung soll Nachhaltigkeit eine Rolle spielen, also Weiterentwicklung zu einem nachhaltigen Finanzsystem."

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Serie: Klima retten in fünf Tagen

Waldbrände in Kalifornien, Überschwemmungen in Asien, ein außergewöhnlich heißer und trockener Sommer in Deutschland: Das Klima ist längst kein Nischenthema mehr. Entsprechend groß dürfte das Interesse an den Ergebnissen des Weltklimagipfels im polnischen Katowice sein, der am 3. Dezember beginnt. Wir schauen konstruktiv auf das Thema: Was kann getan werden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.

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EU-Kennzeichen für "grüne" Finanzprodukte

Alle Investitionen müssen auf Klima-Risiken hin überprüft werden. Es soll ein einheitliches EU-Kennzeichen für "grüne" Finanzprodukte geben – für Fonds oder Anleihen, die in emissionsarme Unternehmen investieren. Ziel ist es, die Finanzwirtschaft beim Klimaschutz einzuspannen. Der Hebel ist gewaltig. Rund um den Globus verwalten große Investoren ein Vermögen von 75 Billionen Dollar. Viel Geld bedeutet viel Macht, auch auf Hauptversammlungen: "Wir haben dieses Jahr zwei ganz klare Forderungen gestellt - dass sich nämlich die Automobilindustrie auf eine CO2-freie Mobilität ausrichten muss, und die Energieversorger sich auf eine CO2-freie Energieversorgung einstellen müssen", sagt Schmidt.

Die Fondsgesellschaft setzt auf Einfluss, hält an Energieversorgern und Autoherstellern fest. Die sogenannte Divestment-Bewegung geht radikaler vor und fordert den kompletten Ausstieg aus fossilen Investments. Als erste Stadt hat Münster die beiden Pensionsfonds klimafreundlich angelegt. Insgesamt acht deutsche Städte und zwei Bundesländer – Berlin und Bremen – investieren nicht mehr in Kohle und Gas. Hier trifft sich die Umweltbewegung mit der Großfinanz.

Warten auf das Go der Politik

"Da wo das Geld hingeht, werden große Entscheidungen getroffen", sagt Tine Langkamp, Gründerin der Fossil Free-Kampagne Deutschland. "Die fossile Industrie ist die reichste Industrie, die es jemals gegeben hat, da ist es ganz klar, dass man da finanzielle Hebel nehmen kann." Noch ist das Angebot klein.

In Deutschland liegt der Anteil der nachhaltigen Geldanlagen, Finanzprodukte mit ökologischem, ethischem und sozialem Anspruch, gerade mal bei drei Prozent; Green Bonds – also Anleihen, die zur Finanzierung von umweltfreundlichen Projekten ausgegeben werden – bei einem Prozent. Tendenz steigend. Auch die Deutsche Börse hat neuerdings Green Bonds im Programm. Die Finanzbranche steht also bereit – mit Fonds, mit Krediten für umweltfreundliche Projekte. Sie wartet auf das Go von der Politik.

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2018, 8:30 Uhr

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