Radfahrer an der Konstablerwache in Frankfurt
Bild © picture-alliance/dpa

Radeln statt Autofahren, Jutebeutel statt Plastik: In vielen Kampagnen werden Bürger dazu motiviert, beim Klimaschutz zu helfen. Doch wie viel bringt das persönliche Engagement wirklich fürs Klima?

Die Idee

Hannah Helmke
Hannah Helmke Bild © right-basedonscience.de

Jeder kann etwas für den Klimaschutz tun – davon ist Hannah Helmke aus Frankfurt überzeugt. Fast alle Aspekte ihres Lebens versucht die 30-Jährige klimafreundlich zu gestalten: „Ich bin bei einer nachhaltigen Bank und ernähre mich weitestgehenden vegetarisch, saisonal und auch lokal." Dazu kommt, dass sie kein Auto besitzt, Rad fährt oder wenn es sein muss auf Carsharing umsteigt. Und sie verzichtet bewusst auf Flugreisen, weil die besonders CO2-intensiv sind.

Weitere Informationen

Wissenswert: "Crashkurs Klima"

Vor dem UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz Anfang Dezember liefern wir Hintergrund-Informationen rund ums Thema Klima. In Folge 2 beschäftigen wir uns mit der Frage, wie die Menschheit einen guten Umgang mit der Klimaerwärmung finden und sie begrenzen kann. [zum Podcast]

Ende der weiteren Informationen

Dieses klimabewusste Leben kommt nicht von ungefähr. Helmke hat eine Plattform gegründet, die  Unternehmen zeigt,  ob sie mit ihrer Unternehmenspolitik die Klimaziele der Bundesregierung einhalten: "Das ist ein Instrument, was wir da generieren für unterschiedliche Akteure in der Finanzwirtschaft, in der Unternehmenswelt und auch in der Politik, um Entscheidungen zu treffen, die uns Richtung zwei Grad oder hoffentlich sogar unter zwei Grad erbringen."

Ihre Hoffnung: Wenn Klimaschutz ein wirtschaftlicher Anreiz wird, dann verändern sich auch die Geschäftsmodelle. Und nebenbei versucht sie, auch mit ihrer Lebensweise anderen ein Vorbild zu sein.

Das bringt es

Ja, jeder kann wirklich etwas mit seiner Lebensweise gegen den Klimawandel tun, sagt Immanuel Stieß, der sich beim Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung mit Klimaschutz im Alltag beschäftigt. Durch fleischarme Ernährung beispielsweise könne man erheblich Treibhausgasemissionen einsparen. Das sei "gar nicht so schlecht, wenn man überlegt, dass vielleicht 15 Prozent des durchschnittlichen CO2-Ausstoßes, den wir im Alltag verursachen, mit Ernährung zu tun haben."

Weitere Informationen

Mehr zum Thema

Klimarechner des Umweltbundesamtes

Ende der weiteren Informationen

Auch sehr effektiv sei der Verzicht aufs Auto. Denn etwa ein Viertel unseres CO2-Fußabdrucks erzeugen wir mit Verkehr. Wer öfter auf Fahrrad, Bahn oder Bus umsteigt, tut dem Klima also auch wirklich etwas Gutes. Ebenso eine wichtige Rolle spielen die Themen Heizen oder Konsum. Die Erfolge sind messbar, beispielsweise auf der Seite des Umweltbundesamtes, wo man seine persönliche CO2-Bilanz ausrechnen lassen kann.

Der Haken an der Sache

Klimaschutz kann ganz persönlich auch weh tun, zum Beispiel, weil man auf Erfahrungen verzichten muss, erzählt Jung-Unternehmerin Hannah Helmke: etwa, wenn man "nicht einfach mal am Wochenende in den Flieger steigt und ein anderes Land sehen kann. Das ist etwas, was natürlich auch in die Richtung Verzicht geht." Hannah Helmke und auch andere mögen freiwillig auf Flugreisen verzichten. Doch insgesamt boomt die Luftfahrtbranche. Mal eben nach Gran Canaria übers Wochenende oder ein Pauschalangebot im sonnigen Thailand für wenig Geld, das ist für viele Menschen – Klima hin oder her - doch zu verlockend.

Hier müsste aus Sicht von Umweltexperten wie Immanuel Stieß die Politik ran und beispielsweise eine Steuer auf CO2 erheben. Damit wären Kurztrips mit dem Flieger schlicht teurer und weniger attraktiv. Das ist der zweite Haken: Der Bürger kann beim Klimaschutz nicht alles allein leisten, sagt Wissenschaftler Stieß. Dazu braucht er die richtigen Rahmenbedingungen: "In der Stadt kann ich einfach aufs Auto verzichten, wenn ich eine gute Infrastruktur habe, wenn es ein gutes öffentliches Angebot gibt und wenn es vielleicht auch Leihräder gibt und Carsharing, die ich dann eben nutzen kann, wenn ich doch mal irgendetwas Größeres transportieren will."

In ländlichen Regionen sei man meist auf das Auto angewiesen. Hier müsse die Politik die Infrastruktur verbessern. Hinzu komme: Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass Deutschland aus der CO2-intensiven Kohlewirtschaft aussteigt und noch stärker auf erneuerbare Energien setzt. Schlussendlich brauchen wir aber beides, meint Immanuel Stieß: eine klimafreundliche Politik und Wirtschaft und viele Bürger, die bereit sind, ihre Lebensweise umzustellen.

Weitere Informationen

Wissenswert als Podcast

Hier können Sie alle Sendungen als Podcast nachhören.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 19.10.2018, 6:50 Uhr

Jetzt im Programm