Fröhlich lachendes Kind

Weniger soziale Kontakte, Homeschooling und Kurzarbeit – wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Lebenszufriedenheit der Deutschen aus? Überraschende Erkenntnis: Die Pandemie kann ihrer Zufriedenheit offenbar nur wenig anhaben.

Natürlich drückt Corona auch den Deutschen auf die Laune. Ihre Lebenszufriedenheit ist laut Glücksatlas gesunken. Auf einer Skala von null bis zehn liegt ihr Glück jetzt bei 6,74 Punkten. Das sind sechs Prozent weniger als 2019. Aber Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg wirkt trotzdem ganz zufrieden. "Wir haben zwar einen deutlichen Einbruch in der Zufriedenheit, aber dieses Niveau, das hatten wir vor gut zehn Jahren schon mal. Also bevor wir wirklich diese lange Phase des Wirtschaftswachstums gehabt haben, waren wir auf demselben Niveau", sagt der Forscher.

Raffelhüschen ist Herausgeber des Glücksatlas. Rund 4.700 Personen hat er im Auftrag der Deutschen Post im Frühling befragen lassen. Die ersten Interviews fanden mitten im Lockdown statt. "Im Lockdown selbst, also in den härtesten Phasen, war die Zufriedenheit deutlich stärker gesunken. Wir haben aber schon wieder eine Erholung gehabt während des Sommers - und zwar eine deutliche Erholung", erklärt Raffelhüschen.

Glück verteilt sich immer gleichmäßiger

Man könnte auch sagen, durch Corona sind die Deutschen wieder auf das Glücksniveau von 2014 gefallen. 80 Prozent der Befragten sind froh, während der Corona-Krise in Deutschland zu leben. Eine Mehrheit erwartet außerdem schon im nächsten Jahr, wieder so zufrieden zu sein wie vor Corona. Deutlicher gesunken ist dagegen die Zufriedenheit mit der Arbeit. Die Folgen von Kurzarbeit und schwierigen Bedingungen im Homeoffice belasten vor allem Frauen, so Thomas Ogilvie, Personalvorstand der Deutschen Post. Deswegen sei es so wichtig, dass die Schule geöffnet blieben, sagt er. Nicht nur für die Bildungschancen der Kinder, sondern auch für ein funktionierendes Familienleben.

Eine weitere Erkenntnis: Das Glück verteilt sich immer gleichmäßiger in Deutschland. Die glücklichsten Menschen leben aber nach wie vor in Schleswig-Holstein und Hamburg. Danach folgen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Thüringen verliert dagegen stark und landet auf dem letzten Platz. Trotzdem: "Ostdeutschland hat tatsächlich aufgeholt. Und zwar so aufgeholt, dass es inzwischen ostdeutsche Bundesländer gibt, die zufriedener sind als westdeutsche", sagt Ogilvie.

"Globalisierung ist für Deutschland der Gewinn"

Und noch etwas lässt sich aus den Daten lesen. Die Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und nachhaltigem Konsum. Menschen, die ökologisch bewusster einkaufen, sind demnach glücklicher. "Eine überwältigende Mehrheit von 70 Prozent der Befragten sagen, dass sie nachhaltiger Konsum zufriedener macht. Klar ist aber auch, dass man sich nachhaltigen Konsum leisten können muss. Und deswegen ist es, glaube ich, auch so wichtig, dass Wirtschaft und Gesellschaft hier Hand in Hand gehen", so Raffelhüschen.

Für das kommende Jahr wagt Forscher Bernd Raffelhüschen noch keine Prognose: "Wir müssen einfach mal abwarten, was die wirtschaftliche Entwicklung tut. Wir haben eine Staatsverschuldung aufgebaut, die massiv ist. Wir haben einen Lockdown, der die Globalisierungstendenzen ganz schön abgebrochen hat. Und Globalisierung war für uns in Deutschland der Gewinn überhaupt – also wir leben davon." Das Glück der Deutschen hängt eben doch auch von der Corona-Pandemie ab. Aber eben nicht nur.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 18.11.20, 15-18 Uhr

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