Arbeiter sortieren Unmengen von Paketen bei einem Logistikunternehmen

Der Singles Day ist in China ein Tag der Superlative: Beim weltweit größten Shoppingevent werden von Jahr zu Jahr Umsatzrekorde gebrochen. Auch in Deutschland nutzen inzwischen immer mehr Händler die Marketing-Strategie, um Kunden zu locken.

Am 11.11. beginnt in China der " Singles' Day", das größte Shoppingevent weltweit. Es ist ein Tag der Superlative - vor allem für Chinas größte Online-Plattform Alibaba. Die machte 2019 einen Umsatz von 38 Milliarden US-Dollarn. Jedes Jahr bricht Alibaba einen neuen Umsatzrekord, freut sich Liu Bo, Vizepräsident einer Alibaba-Plattform: "Der Singles' Day ist das bedeutendste Festival für Marken, um ihre Produkte vorzustellen. Marken legen großen Wert auf diesen Tag und feiern neue Produkte auf dem chinesischen Markt."

Für Konsumforscherin Andrea Gröppel-Klein von der Universität des Saarlandes liegt der Erfolg des Singles' Days aber nicht nur an den Produkten. "Man paart das Ganze auch mit Verkaufshows, bei denen Prominente auftreten." Es gebe Quizshows, bei denen Kunden Rabatte ergattern könne, und gemeinsames Karaoke-Singen. Man versuche also, "das Ganze zu einem Gesamterlebnis online zu kreieren", so Gröppel-Klein.

"Viel am Anteil der Brieftasche des Konsumenten abgreifen"

Noch ist Singles' Day in Deutschland eher unbekannt. Doch immer mehr Online-Händler springen auf diesen Zug. Mediamarkt, Saturn, aber auch Otto und Lidl nehmen dieses Jahr am Singles' Day teil. In Online-Shops locken sie mit elf Prozent Rabatt. Der 11. ist aber nicht der einzige Aktionstag im November. Black Friday oder Cybermonday stehen in den nächsten Wochen auch noch an.

"Das sind jetzt immer Mega-Schnäppchen, aber man will den Konsumenten auch schon weit vor Weihnachten etwas bieten, wo sie ihr Geld lassen können. Es geht immer um 'Share-of-wallet' – das heißt, möglichst viel am Anteil der Brieftasche des Konsumenten abzugreifen", sagt Marketing-Experte Roland Fiege. Und das hilft vor allem den Online-Riesen.

Die großen Online-Plattformen profitieren

"Man muss ganz klar sagen, dass die großen Plattformen wie Alibaba und Amazon, dass die typischerweise natürlich davon profitieren. Weil sie mit ihrer Marktmacht und ihrer Preismacht ihre Vormachtstellung sehr stark ausnutzen, um es mal vorsichtig zu formulieren", sagt Fiege.

Diese Auswirkungen bekommt gerade auch durch Corona der stationäre Handel besonders stark zu spüren. Händler mit eigenem Geschäft versuchen nun beide Welten – online und offline – zu verbinden und gehen mit ihren Waren ins Internet, erklärt Andrea Gröppel-Klein. "Nun hoffen sehr viele Händler, dass die Kundentreue, die erworben worden ist, durch den Auftritt im stationären Handel, auf den Online-Kanal übertragen wird", so Gröppel-Klein.

Ob das gelingt, kann man jetzt noch nicht sagen, was aber auch in Zukunft funktionieren wird: Kunden mit einer geschickten Marketing-Strategie zu locken.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 11.11.2020, 6-9 Uhr

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