Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, das Insektensterben in Deutschland zu bekämpfen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze sind jetzt zum zweiten Mal mit Vertretern von Bauern- und Umweltverbänden zusammengekommen. Was kam dabei raus?

Fast drei Viertel aller Fluginsekten wie Bienen, Schmetterlinge oder Libellen sind in den letzten 30 Jahren in Deutschland verschwunden. Dieser Trend muss gestoppt werden, darin sind sich viele einig. Über das "Wie" wird allerdings gestritten. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will alle Seiten ins Gespräch bringen.

Sie hat sich deshalb zum zweiten Mal mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Bundesländern, der Landwirtschaft, der Wissenschaft und Umweltverbänden beraten. Insekten finden immer weniger Nahrung und verlieren ihren Lebensraum. Und zwar überall, sagt die Ministerin. "Wir wollen nicht nur im ländlichen Raum Lebensraum für Insekten erhalten, sondern auch in den Städten etwas für Insekten tun. Und das gesamte Maßnahmenprogramm wird hier Schritt für Schritt diskutiert", sagt Schulze.

Streitpunkt Landwirtschaft

Gestritten wird aber vor allem über die intensive Landwirtschaft. Denn die ist ein Problem für Insekten: Monokulturen, Düngemittel, Pestizide. Die zuständige Ministerin Julia Klöckner (CDU) saß auch am digitalen Runden Tisch. Sie betont, dass gerade die Corona-Pandemie gezeigt hat, wie wichtig die Lebensmittelversorgung durch die heimischen Bauern ist.

Deshalb müsse man sich klar sein, was strengere Insektenschutz-Regeln für die Landwirte bedeuten. "Dort, wo zum Beispiel Pflanzenschutzmittel in gewissen Regionen eingeschränkt werden - was heißt das für neue Schädlinge, die über den Klimawandel zu uns kommen, für die Erntesicherung? Oder was heißt es für den Umsatzeinbruch der Landwirte? Wie kompensieren wir das?", fragt Klöckner.

Schulze will Gesetz noch in der Sommerpause

Diese und weitere offenen Fragen müssen beantwortet werden, bevor ein Insektenschutzgesetz verabschiedet werden kann, meint Klöckner. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung das Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen.

Das Programm ist aber unverbindlich. Deshalb will Umweltministerin Svenja Schulze ein Gesetzt daraus machen. "Ich will noch in der Sommerpause jetzt ein Insektenschutzgesetz auf den Weg bringen, damit das Ganze auch wirklich einen verbindlichen rechtlichen Rahmen hat", so Schulze.

Die Bundesumweltministerin will verbindlich festlegen, dass weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen. In manchen Gebieten sollen sie sogar ganz verboten werden. Dagegen wehren sich das Landwirtschaftsministerium und der Bauernverband.

Noch immer keine Einigkeit

Laura Breitkreuz vom Naturschutzbund befürchtet, dass ein Gesetz ohne verbindliche Regeln für die Landwirte, zum Beispiel wie viel Pflanzenschutzmittel sie einsetzen dürfen, die Insekten nicht genug schützen wird. "Es gibt sehr viele andere Bereiche, wo das auch greift, zum Beispiel in der Lichtverschmutzung. Das sind aber wirklich sehr kleine Teilaspekte. Das heißt, diese Hauptbereiche, zum Beispiel die Pflanzenschutzmittel-Regulation, die fehlen einfach und damit werden wir mit einem Insektenschutz leider nicht weit kommen", so Breitkreuz.

Darüber, wie Insekten vor dem Aussterben gerettet werden sollen, gibt es auch nach diesem zweiten Runden Tisch keine Einigkeit.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 24.6.2020, 18-20 Uhr

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