Landwirtschaft Feld Dünger Traktor

Grundlegende Reformversuche in der europäischen Agrarpolitik sind schwierig. Doch ein Umdenken sei dringend nötig, meint unser Kommentator. Denn ohne das Zutun der Landwirtschaft sei mehr Klimaschutz nicht möglich.

Es erscheint so selbstverständlich, dass die Europäische Union Europas Landwirten seit 58 Jahren finanziell erheblich unter die Arme greift. Die Ausgaben für die gemeinsame europäische Landwirtschaftspolitik (GAP) sind immer der größte Block im Haushalt der EU gewesen. Und das gilt nach wie vor. Jedes Jahr sind es 60 Milliarden Euro, mit denen Europa die Bäuerinnen und Bauern subventioniert.

Schwierig, umweltschonende Landwirtschaft zu fördern

Zugegeben, das läuft mehr oder weniger nach dem Gießkannenprinzip und der Überzeugung, dass große landwirtschaftliche Betriebe aus Brüssel mehr Geld brauchen, damit sie am Leben bleiben können, als kleine. Denn Europas Agragpolitik funktioniert über die Flächenprämie. Und wer mehr Hektar hat, bekommt mehr. So war es immer und im Moment deutet wenig daraufhin, dass sich das in absehbarer Zeit einmal ändern wird.

Das ist bedauerlich, weil es auf diese Weise natürlich schwerfällt, gezielter Betriebe zu fördern, die auf eine umweltschonende Landwirtschaft setzen. Auf weniger Schädlingsbekämpfung, auf weniger Kunstdünger, auf weniger Massentierhaltung, stattdessen auf mehr Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ökologie. Sicher, es gibt die sogenannte zweite Säule in der gemeinsamen Agrarpolitik. Daraus bekommen Landwirte nur unter bestimmten Bedingungen Geld. Oft für eine zumindest umweltschonendere Produktion. Doch die zweite Säule ist eben nur die zweite, der große Batzen kommt aus den Flächendirektzahlungen.

Es braucht ein Umsteuern

Nun doktort Europa nun schon seit über zwei Jahren an dem Versuch herum, das alles zu formieren. Schließlich soll ja der Green Deal auch in der Landwirtschaft Einzug halten. Damit die EU 2050 wirklich klimaneutral werden kann. Doch eine grundlegende Reform ist offensichtlich schwierig. Zu viele Betriebe nicht nur in Deutschland haben sich an den Ist-Zustand gewöhnt. Viele Bauern führen ohnehin täglich einen Existenzkampf um ihr wirtschaftliches Überleben.

Alle Versuche, etwas zu ändern, werden da schnell als Angriff gewertet. Die vermeintlich gute Nachricht ist deshalb, dass für die nächsten zwei Jahre bei der GAP erstmal alles bleiben soll, wie es ist. Tatsächlich ist eine Reform aber dringend notwendig. Denn ohne ein erhebliches Zutun der Landwirtschaft wird es mehr Klimaschutz nicht geben. Es braucht ein Umsteuern, damit die Subventionen aus Brüssel gezielter verteilt werden. Gezielter für eine nachhaltigere und grünere Landwirtschaft.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.9.20, 15-18 Uhr

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