Mann sitzt alleine im Zuschauerrang

Die Landesregierung will diejenigen, die unsere Kultur am Leben halten und im Moment nichts verdienen, mit 50 Millionen Euro unterstützen. Hilft das?

Spielhallen, Casinos, Wettbüros dürfen aufmachen am Freitag. Nichts gegen die Spielhalle – aber irgendwann will man vielleicht doch mal wieder ins Theater, ins Kino, ins Konzert. Aber nichts scheint schwieriger zu sein als das in Corona-Zeiten.

Offiziell dürfte es das alles schon wieder geben, seit dem 9. Mai: Theater, Oper, Konzert. Nur ist da das Kleingedruckte. Ausgenommen sind aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr weiterhin Veranstaltungen und Konzerte, bei denen Abstandsregeln realistischerweise nicht eingehalten werden können. Und das gilt für fast alles.

Oder möchte jemand ins Theater, wenn in jeder Reihe nur zwei Personen sitzen dürfen? Und auf der Bühne Schillers Räuber ohne Räuber gespielt werden oder nur noch Cornona-kompatible Ein-Personen-Monologe von Peter Handke? Damit es kein Problem mit der Abstandsregel gibt? Das ist so ähnlich wie beim Sport – man darf, aber Spaß macht‘s nicht.

Kultur ist kein Luxus

Investitionen in den Erhalt der Kultur sind gerade jetzt wichtig. Was davon einmal verloren geht, lässt sich so schnell nicht mehr aufbauen. Das Signal der hessischen Kulturministerin an die Betroffenen in Kunst und Kultur ist klar: Ihr werdet nicht vergessen. Wichtiger noch: Das neue Landesprogramm ist nicht nur ein Sicherheitsnetz. Es soll Kreativität freisetzen für kulturelle Angebote, die auch in Corona-Zeiten funktionieren können. Und jede Idee zahlt sich aus.

Warum hat es aber so lange gedauert? In Rheinland-Pfalz war man schneller. Aber besser spät als nie. Ohnehin ist das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn Kontaktsperren bleiben und Abstandsregeln noch monatelang gelten. Dass Hessen zögerte, hat natürlich mit der Erwartung zu tun, dass man in Berlin die Kultur schon nicht vergessen wird. Schöne Worte für die Kultur in Berlin? Ja, die gab es. Aber sonst muss sich die Kultur da ziemlich weit hinten anstellen. Es wäre gut, wenn der Bund umdenkt und die Länder noch weiter entlastet. Kultur ist kein Luxus. Eine Welt ohne Kultur ist arm. Kultur muss Corona überleben.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 11.5.2020, 15-18 Uhr

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