Pillen

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente: Solange noch keine ernsthafte Krankheit vorliegt, vertrauen viele Menschen auf sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Doch was bringen sie?

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Zum Artikel Design-Food – Milliardengeschäft Nahrungsergänzung (Folge 06)

Funkkolleg Ernährung
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Etwa jeder Dritte in Deutschland nimmt Nahrungsergänzungsmittel. Im vergangenen Jahr sind 225 Millionen solcher Mittel in Form von Brausetabletten, Kapseln oder Tropfen über die Ladentheken gegangen. Magnesium und Vitamin C sind dabei die Spitzenreiter.

Und warum werfen wir solche Pillen ein? Für Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW ist das ein klarer Fall. "Wir haben alle ein schlechtes Gewissen. Wir glauben, wir ernähren uns falsch. Wir wissen alle, dass wir uns zu wenig bewegen. Wir haben zu viel Stress. Wir schlafen zu wenig", sagt Clausen. Darüber hinaus suggeriere uns die Werbung, dass das alles durch das Einwerfen von Pillen wieder in Ordnung gebracht werden könne.

Keine Dosierungsgrenze für Vitaminpräparate

Und die Werbung suggeriert uns, dass durch das Einwerfen von ein paar Pillen alles in Ordnung gebracht werden kann, dass man sich Gesundheit kaufen kann. Es ist vielleicht eine Art moderner Ablasshandel, den wir da treiben. Die Ernährungs-Expertin Sabine Schütze geht in der Funkkolleg-Folge der Frage nach, ob Nahrungsergänzungmittel sinnvoll oder sogar notwendig sind – oder ob sie im Gegenteil überflüssig und schädlich sind.

Was kann man lernen? Eine Menge! Die Tatsache, dass all diese Vitaminpräparate rechtlich wie Lebensmittel behandelt werden, also wie ein Apfel oder ein Joghurt. Deshalb gelten sie nicht als Arznei. Deshalb dürfen sie auch aus allerlei nicht näher definierten Stoffen bestehen, ohne Dosierungsgrenze.

Und das Wichtigste:

Nur sehr wenige Menschen in Deutschland brauchen tatsächlich Nahrungsergänzungsmittel, weil bei ihnen tatsächlich ein Mangel vorliegt, sagt der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Helmut Heseker: "Jod allerdings sollten wir nehmen. Deshalb wird Salz seit Jahren mit Jod angereichert".

Selbst die beliebten Multivitaminpräparate bringen eigentlich nichts. Das haben groß angelegte Studien gezeigt. "Und die Ergebnisse sind eindeutig. Man kann dadurch weder seine Gesundheit noch seine Lebenserwartung langfristig verbessern", sagt Heseker.

Ansonsten heißt es insgesamt: Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln! Sie sind nicht zur Selbstmedikation gedacht. Denn das birgt Gefahren. Nehmen wir jenseits unserer Lebensmittel isoliert Nährstoffe auf, besteht die Gefahr der Überdosierung.

Extra-Zufuhr oft nicht nötig

"Hände weg von Vitamin C, E und A, die in Zufuhrbereiche gehen, wo Sie halt das Mehrfache des Tagesbedarfs in einem Produkt haben", warnt der Lübecker Ernährungsmediziner Martin Smollich. Denn das kann langfristig eingenommen zu Krankheiten wie Krebs führen.

Kurzum: Wer sich halbwegs abwechslungsreich ernährt und sich regelmäßig im Tageslicht aufhält, ist in der Regel ausreichend versorgt mit Vitaminen und Mineralstoffen und braucht keine Extra-Zufuhr durch Pillen oder aufgepeppte Lebensmittel.     

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 5.12.2019, 6-9 Uhr

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