Plastikmüll

Seit China 2018 die Einfuhr des meisten Plastikmülls verboten hat, suchen die Unternehmen neue Abladeorte. Nun strebt die USA ein Abkommen mit Kenia an, das die Fortschritte im Land zunichte machen könnte.

Ein paar junge Leute in einem Armenviertel von Nairobi sortieren Plastikflaschen. Säckeweise haben sie den Müll gesammelt, sagt Gisore Nyabote, der Leiter der Umweltgruppe. "Wir verwenden Plastik wieder, in allen Formen. Das Problem ist: Wir gehen rum, aber wir kommen gegen den Müll gar nicht an. Er ist einfach überall", sagt Nyabote.

In den Slums der kenianischen Hauptstadt, aber auch in anderen Regionen des Landes ist Abfall noch immer ein großes Problem. Dabei hat die Regierung vor drei Jahren schon ein Gesetz erlassen, um gegen den Plastikmüll anzugehen. Der Gebrauch, die Herstellung und die Einfuhr von Tüten sind verboten. Aber es gibt weiter Einwegflaschen, Verpackungen und vielen anderen Plastikabfall, für den die Recycling-Anlagen fehlen.

Nyabote und seine Freunde nutzen Flaschen als Baustoff. "Wir machen daraus einen Eco Brick, das heißt wir bauen nicht mit Steinen oder Ton, sondern mit Plastikflaschen, die wir nur mit Sand füllen", sagt Nyabote.

Neues Abkommen zwischen USA und Kenia?

Mehrere Gebäude sind durch diese kreative Zweckentfremdung schon entstanden. Ein Zeichen, dass viele in Kenia sich inzwischen Gedanken über den Umweltschutz machen. Sie wollen, dass die Regierung noch mehr gegen die Plastikflut unternimmt. Doch jetzt schlagen Meldungen über Handelsgespräche zwischen Kenia und den USA hohe Wellen. Die Staaten wollen ein neues Abkommen unterzeichnen. Der US-Seite wurde von amerikanischen Chemieunternehmen dafür eine Wunschliste mitgegeben, sagt Fredrick Njehu von Greenpeace Africa.

"Sie machen sehr deutlich, welche Ergebnisse sie von den Gesprächen erwarten. Sie wollen, dass die kenianische Regierung ihre Vorschriften zum Umgang mit Plastik aufweicht. Das würde bedeuten, die Gesetze zu ändern und alle Fortschritte zunichte zu machen", so Njehu.

Auf der Suche nach neuen Abladeorten

Der Brief des Amerikanischen Chemie-Rats, der dem ARD-Studio Nairobi vorliegt, drängt darauf, Kenia als Zugang für den afrikanischen Markt zu nutzen. Über den Seeweg und per Luftfracht könnten Chemikalien und Plastik aus den USA von hier auch in andere Länder gelangen. Greenpeace befürchtet, dass vor allem Abfälle diesen Weg nehmen sollen. Seit China 2018 die Einfuhr des meisten Plastikmülls verboten hat, suchen die Unternehmen neue Abladeorte.

"Wenn Kenia als Müllhalde und als Einfallstor auf den Kontinent genutzt werden soll, bedeutet das, auch andere afrikanische Länder müssten ihre Gesetze aufweichen. Sie müssten erlauben, dass gefährliche Chemikalien und Plastik hier abgeladen werden", so Njehu.

"Afrika ist keine Müllhalde"

Das kenianische Handelsministerium sagte einen Interviewtermin zu diesem Thema erst zu, dann wieder ab. Die Ministerin müsse sich genauer mit dem Thema Plastikmüll und den internationalen Vereinbarungen befassen, bevor sie antworten könne, hieß es. Einer kenianischen Zeitung sagte sie, bisher hätten die USA diese Vorschläge noch nicht auf den Verhandlungstisch gelegt. Doch Umweltschützer wie Gisore Nyabote fürchten, dass die Regierung einem solchen Abkommen durchaus zustimmen könnte.

"Für die Entscheidungsträger und Politiker könnte das einen Gewinn bedeuten. Sie bekommen ihren Anteil des Geldes, das damit gemacht wird", so Nyabote. Greenpeace hat vorsorglich schon Unterschriften gegen solche Vereinbarungen gesammelt, die der Regierung übergeben werden sollen. Auf Twitter teilen Aktivisten in Kenia im Moment immer wieder einen Satz: Afrika ist keine Müllhalde.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 8.9.2020, 12 bis 15 Uhr

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