Tempolimit

Die SPD will es, die CDU nicht: Das Tempolimit 130 auf Autobahnen ist ein Dauerthema, das jetzt zwischen den Jahren wieder hervorgeholt wird. Genauso unterschiedlich wie die Parteien das Thema betrachten, tun es auch unsere Korrespondenten.

Pro: "Es ist absurd, überhaupt noch zu diskutieren"

Von Uwe Lueb

Es ist fast schon absurd, überhaupt noch über ein Tempolimit zu diskutieren, statt es endlich einfach zu machen. Jedes Verkehrsleitsystem, also Tempolimit, führt zu weniger Staus. Sicherer wird es auch. Das zeigen zumindest die Unfallstatistiken über etliche einzelne Strecken, auf denen seit der Einführung eines Tempolimits weniger Unfälle passieren als vorher.

Man muss kein Verkehrsexperte sein, um die einfachen Zusammenhänge zu erkennen. Je größer die Geschwindigkeitsunterschiede auf den Autobahnen sind, desto gestresster sind die Verkehrsteilnehmer. Bremsmanöver sind dann zwangsläufig schärfer und der Adrenalinpegel eines Fahrers, der mit etwa 120 auf dem Tacho einen Lastwagen überholt, ist ungleich höher, wenn von hinten jemand mit 180 angebrettert kommt statt etwa nur mit 130.

Nutzen hätte auch die Umwelt. Wer langsamer fährt, verbraucht auch weniger Sprit. Und damit wird weniger CO2 freigesetzt. Abgesehen davon, dass geringerer Spritverbrauch billiger ist. Mit solchen Argumenten begründen so ziemlich alle Nachbarländer Deutschlands mühelos ihre Tempolimits.

Es wäre sehr vermessen anzunehmen, dass die alle falsch und nur wir in Deutschland richtig liegen. Ein schöner Seitenaspekt wäre übrigens das Ende des Tempotourismus. Aus anderen Ländern kommen nämlich Raser nach Deutschland. Und zwar nur, um mal richtig Gas geben zu können. Vor dem Hintergrund all dessen ist es wirklich fast absurd, überhaupt noch zu diskutieren.

Contra: "Ein Tempolimit wäre reine Makulatur"

Von Franka Welz

Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen wäre reine Makulatur. Und der Beitrag zum Klimaschutz wegen eines reduzierten CO2-Ausstoßes bestenfalls übersichtlich. Verkehrsdaten zeigen schon jetzt, dass die Mehrheit der Autofahrer bereits heute weniger als 130 fährt.

Zwänge man die verbleibenden Überzeugungsraser auch noch in die Spur, würde das angesichts des Gesamtausstoßes von CO2 im Verkehrssektor bestenfalls zu marginalen Verbesserungen führen. Tatsächlich besser wäre hier eine flächendeckende, intelligente Verkehrsführung auf Autobahnen je nach Aufkommen. Vorausgesetzt, nach dem Mautdebakel ist noch genug Geld übrig.

Wer schneller fährt, spart zwar Zeit, verbraucht aber auch mehr Kraftstoff, hat also höhere Kosten. Um Berufsraser in die Schranken zu weisen, wäre also eine Abschaffung des Dienstwagenprivilegs wesentlich zielführender. Denn ohne die Tankkarte vom Arbeitgeber dürfte sich so mancher Bleifuß des Besseren besinnen. Und Unfallforscher haben natürlich recht, wenn sie darauf verweisen, dass geringere Geschwindigkeiten zwar nicht zwingend für weniger Unfälle sorgen, aber diese Unfälle immerhin in der Regel weniger schwer ausfallen.

Dafür brauchen wir aber kein gesetzlich vorgeschriebenes Tempolimit, sondern vor allem Vernunft und gesunden Menschenverstand seitens der Autofahrerinnen und Autofahrer. Dieser Tage aber leider in allen Lebensbereichen die knappsten Ressourcen von allen.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 27.12.2019, 15-18 Uhr

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