Fleisch eingelegt

Das nordhessische Fleischwaren-Unternehmen Wilke wurde nach zwei Todesfällen und einigen Erkrankungen vorläufig geschlossen. Der Ruf der Fleischindustrie ist derzeit schlecht – doch wie ist es um die Branche wirklich bestellt?

60 Kilogramm: So viel Fleisch und Wurst verzehrt jeder Deutsche im Jahr. Ein Konsum, der seit 30 Jahren stabil geblieben ist – trotz bewusster Ernährung und Vegetarismus. Die Vereinten Nationen schätzen angesichts der wachsenden Weltbevölkerung sogar, dass in den nächsten 30 Jahren doppelt so viel Fleisch produziert werden wird.

Deutschland stehe im europäischen Vergleich dabei jedoch nicht an der Spitze, sagt Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischerverband. Es gebe andere Länder wie Spanien und Irland, wo mehr Fleisch gegessen werde. Die Deutschen seien im guten Mittelfeld. "Dazu kommt eben auch, dass Fleisch- und Wurstverzehr in Deutschland eine hohe Tradition hat und auch die Verbrauchererwartung an die Qualität ist hoch", so Jentzsch. Man erwarte in Deutschland, dass die Wurst und der Schinken eine anständige Qualität habe.

Immer weniger "Metzger von nebenan"

Knapp ein Viertel des deutschen Fleisches, das wir verzehren, kommt aus dem Schlachthaus der Tönnies-Gruppe in NRW. Alleine dieser Betrieb schlachtet jährlich knapp 20 Millionen Schweine und fast eine halbe Million Rinder. Große Betriebe in Deutschland sind aber auch Westfleisch und die PHW-Gruppe, der größte deutsche Geflügelverarbeiter, den viele unter der Marke Wiesenhof kennen.

Die industriellen Betriebe machen dabei rund zwei Drittel des Fleischmarktes aus, zu denen man auch das Unternehmen Wilke zählen kann. Ein Drittel geht auf die handwerklichen Betriebe zurück, sagt Jentzsch. Das macht in Deutschland rund 12.000 Metzgereien aus. Die haben es aber immer schwerer, sich gegen die großen Betriebe durchzusetzen.

Den klassischen Metzger von nebenan gibt es immer weniger. Es gebe auf den Einwohner gesehen weniger Fleischereien in der Zahl, die Betriebe würden aber größer werden, sagt Jentzsch. "Insbesondere in den ländlichen Regionen, wenn dann der Dorffleischer zumacht, gibt es für den keinen Ersatz und da geht natürlich ein Stück Fleisch- und Wurstkultur verloren", sagt Jentzsch.

"Miserable Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen"

Für den größten Betrieb, die Tönnies-Gruppe, mästen rund 12.000 Landwirte die Tiere. Danach bringt sie ein Viehändler ins Schlachthaus. Und dort wird das Fleisch weiterverarbeitet oder landet in der Großküche. Bei der Verarbeitung müssen sich die Betriebe an strikte Hygienevorschriften auf EU-Ebene halten, sagt Gero Jentzsch.

Eigentlich gebe es umfassende Hygienekonzepte für jeden Betrieb, der mit Lebensmitteln arbeite, insbesondere mit tierischen Lebensmitteln. Das reiche von Personalhygiene über Raumhygiene bis zur Wareneingangskontrolle. Aber immer wieder stehen die Fleischerbetriebe in der Kritik. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten kritisiert die miserablen Arbeitsbedingungen in deutschen Schlachthöfen.

Zudem wurde manchen Betrieben auch schon Tierquälerei vorgeworfen. So hat das ARD-Magazin "Fakt" vom MDR über die Missstände in einem Oldenburger Schlachthof berichtet. Dabei sollen Mitarbeiter des Veterinäramtes an der nicht fachgerechten Tötung von Tieren selbst beteiligt gewesen sein. Der Betrieb ist mittlerweile geschlossen. Nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, hatten zahlreiche Kunden ihre Zusammenarbeit mit dem Schlachthof beendet – darunter Aldi, Lidl und Norma.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 4.10.2019, 15-18 Uhr

Jetzt im Programm