Podcast

Zum Artikel Corona-Alltagshelden (1): Die Müllabfuhr

FES-Mitarbeiter Klaus Müller beim Beladen

Nicht alle können ins Home Office. Es gibt Menschen, die trotz der Corona-Krise für Normalität im Alltag sorgen und sich jeden Tag einem hohen Risiko aussetzen. So wie Martin Zenn. Er ist Müllwagenfahrer und kümmert sich darum, dass wir unseren Abfall loswerden.

Martin Zenn und seine Kollegen sind im Frankfurter Ostend unterwegs. Sie manövrieren den großen, weißen FES-Müllwagen durch enge Straßen. Das ist Millimeterarbeit. Die geübten Fahrer steuern den Wagen ohne Schramme an parkenden Autos vorbei zur nächsten vollen Restmüll-Tonne.

Müllwagenfahrer Martin Zenn

"Die Leute sind zu Hause und produzieren mehr Müll. Dementsprechend haben wir schwerere Tonnen, schwerere Behälter und schaffen nicht so viel, wie wir an einem normalen Werktag schaffen", sagt Zenn. Die Tonnen in diesen Tagen sind proppenvoll. Seit vier Jahren ist er schon bei der FES. So viel Müll wie im Moment hat er selten transportiert.

Eine eingeschworene Gemeinschaft

"Anscheinend sortieren viele Leute ihren Haushalt aus. Was findet man? Schuhe, kleine Schränke, Bretter, Kassetten, CDs… ja. Das sollte nicht rein", sagt Zenn. Im Führerwagen sitzt er mit seinen Kollegen dicht an dicht. 1,50 Meter Abstand halten – nicht möglich. Darüber macht sich Zenns Kollege Klaus Müller schon seine Gedanken.

"Also man kennt seine Kollegen, man redet miteinander. Ich gehe davon aus, wenn der eine was hätte oder in seinem Familienkreis was wäre, würde er es sagen. Und dann muss man schauen, wie man damit umgeht", sagt er. Normalerweise sind die Mitarbeiter der FES eine eingeschworene Gemeinschaft. Zusammen Mittagessen, Pause machen, in Gemeinschaftsräumen sitzen oder nach der Arbeit duschen. All das geht jetzt nicht mehr.

Neue Abläufe

Die Räume wurden alle geschlossen. Zur Sicherheit der Mitarbeiter. Das ist ungewohnt, auch für Zenn. Er steigt jetzt ohne zu duschen direkt nach der Arbeit mit seiner orange-blauen Arbeitskleidung ins Auto und fährt heim, wo seine Tochter auf ihn wartet.

"Wenn der Papa nach Hause kommt, sie ist 2,5 Jahre alt, dann möchte sie gerne beim Papa auf den Arm. Und da ist es schwer für mich, nein zu sagen, sie versteht es halt nicht. Dann muss man erst sagen: Nein, Papa muss sich erst umziehen, duschen gehen. Dann kannst du auf den Arm", erzählt Zenn.

"Wir haben doch einen tollen Job"

Die Männer versuchen auch während ihrer Arbeit, Abstand zu Passanten zu halten. Nicht immer gelingt das. Sie tragen keinen Mundschutz, aber feste Arbeitshandschuhe und Sicherheitskleidung. Trotz Corona-Krise geht Zenn morgens gerne zu Arbeit. Er wird hier dringender gebraucht als je zuvor.

"Mir persönlich macht es Spaß: das Übliche, frische Luft und draußen. In den Zeiten von Home Office und Kurzarbeit muss ich sagen, haben wir doch einen tollen Job. Krisensicher – was will man mehr?" Und so geht es am nächsten Morgen wieder um 6 Uhr los, wenn die Müllabfuhr sich wieder durch die Straßen der Stadt schlängelt. Verlässlich, Tag für Tag.

Weitere Informationen

Mehr Corona-Alltagshelden

Folge 2: Der Apotheker
Folge 3: Der Busfahrer

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 30.3.20, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm