Kleriker werfen einen Schatten an die Wand mit Jesuskreuz

Das Bistum Limburg versetzt einen Priester vorzeitig in den Ruhestand. Dem Geistlichen war in der Vergangenheit wiederholt sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen worden.

Schon im Frühjahr hatte der Limburger Bischof Georg Bätzing deshalb Maßnahmen gegen den Priester ergriffen. Ob die Missbrauchs-Vorwürfe gegen den Priester der Grund für die jetzige Versetzung in den Ruhestand sind – dazu will sich das Bistum nicht äußern. Auf Anfrage des hr teilt das Bistum lediglich mit, dass bei einer solchen Versetzung „persönliche und pastorale Aspekte eine Rolle“ spielen würden.

Allerdings hatte der Limburger Bischof Georg Bätzing schon im April angekündigt, er werde die Tätigkeit des beschuldigten Priesters „weiter einschränken“. Diese Einschränkungen beträfen vor allem den Umgang des Priesters mit „jungen Menschen“

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Priesterliche Aufgaben weiterhin möglich

Die jetzt bekannt gewordene Versetzung in den Ruhestand geht noch einen Schritt weiter: Denn sie bedeutet, dass der Geistliche priesterliche Aufgaben – wie z.B. Taufe, Eucharistiefeier, Beichte oder auch eine Predigt halten - zwar noch wahrnehmen kann. „Er ist allerdings dazu verpflichtet, die beabsichtigte Übernahme solcher Dienste beim Bistum anzuzeigen. Ebenso bedarf die Tätigkeit der Zustimmung des Bischofs von Limburg“, so die Antwort des Bistums auf hr-Anfrage.

Bei einem Verstoß droht dem Priester eine Kürzung seiner Ruhebezüge. Über die Höhe der Ruhebezüge macht das Bistum keine weiteren Angaben. Die Ruhestands-Regelungen des Bistums sehen aber allgemein vor, dass das Ruhegehalt „höchstens“ bei rund 70 Prozent der Dienstbezüge liegt.

Keine neuen Beschwerden bekannt

Eine weitere, beispielsweise ehrenamtliche Arbeit - auch mit Kindern und Jugendlichen - jenseits seiner Priestertätigkeit ist für den Betroffenen grundsätzlich möglich. Das entziehe sich der Zuständigkeit des Bistums, so ein Sprecher.

Der Priester war in den letzten Jahren nicht mehr im Bereich des Bistums Limburg tätig, zu dem er allerdings nach wie vor gehört. Zuletzt lehrte er außerhalb Hessens als Dozent an einer Hochschule, engagierte sich in einer christlichen Organisation und übernahm in einer Gemeinde vorübergehend auch wieder priesterliche Aufgaben. Aus seinem neuen kirchlichen Umfeld hieß im Frühjahr, es seien keine  Beschwerden über „das persönliche Verhalten“ des Geistlichen bekannt.

Interne Untersuchungen bestätigten Vorwürfe nicht

Erste Vorwürfe gegen den Priester wegen sexuellen Missbrauchs wurden Anfang der 2000er Jahre laut. Der Mann wahre nicht die nötige Distanz gegenüber Jugendlichen. Es folgte eine Untersuchung des Bistums Limburg, die die Vorwürfe allerdings nicht bestätigte. Auch spätere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass es „keine konkreten Hinweise auf sexuelle Übergriffe des Beschuldigten“ gäbe. Der Vorfall blieb für den Priester ohne Folgen.

Im Jahr 2010 folgten weitere Anschuldigungen gegen den Priester, die bis in die 90er Jahre zurückreichen. Dabei ging es um regelmäßige Dusch- und Saunagänge mit minderjährigen Jungen, um Küsse auf den Mund. Auch zum gemeinsamen Onanieren mit einem 16jährigen soll es gekommen sein. Zwar räumte der Geistliche die Vorwürfe zumindest teilweise in einer „Selbstanzeige“ gegenüber dem Bistum ein. Anschließende straf- und kirchenrechtliche Ermittlungen aber wurden eingestellt. Die Taten waren verjährt bzw. kirchenrechtlich nicht strafbar.

Aus juristischer Sicht ein unbescholtener Mann

Aus juristischer Sicht ist der Priester bis heute ein unbescholtener Mann. Trotzdem wechselte der Geistliche in Folge der Vorwürfe damals seinen Wohn- und Arbeitsort. Nach Veröffentlichung der MHG-Studie zum Thema „sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche“ im September 2018 geriet der Priester allerdings wieder in den Fokus. Denn infolge der Studie gab es weitere Meldungen von Betroffenen, die sich ebenfalls auf Missbrauchs-Taten in den 90er Jahren im Bistum Limburg bezogen.   

Angesichts der neuen Vorwürfe reagierte der Limburger Bischof Georg Bätzing: Zunächst beschnitt er im Frühjahr dieses Jahres die priesterlichen Tätigkeiten des Priesters, jetzt folgt die Versetzung in den Ruhestand – wohl auch verbunden mit der Hoffnung, den seit rund zwei Jahrzehnten schwelenden Fall jetzt endlich zu einem Abschluss zu bringen.

Der Priester wollte sich auf hr-Anfrage zu seiner Versetzung in den Ruhestand nicht weiter äußern. Über einen Anwalt teilte er lediglich mit, dass er „in Wahrung seiner ihm obliegenden Loyalitäts- und Dienstpflichten für Auskünfte auf seinen Dienstherrn“ verweise.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 06.09.2019, 6 bis 9 Uhr

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