Martin Schulz unterhält sich zu Beginn der Sitzung der Bundestagsfraktion der SPD mit Olaf Scholz

SPD-Kanzlerkandidat Scholz trifft heute auf Martin Schulz. Denn in Schulz' Wahlkampf sind der SPD so einige Fehler passiert. Und die sollen sich dieses Mal nicht wiederholen.

Von Schulz lernen, heißt bestimmt nicht, siegen lernen – dafür hat er die letzte Bundestagswahl zu sehr vergeigt. Aber genau da könnte die Lernkurve für Scholz ansetzen und steil nach oben gehen.

Erstens: Keine übersteigerten Erwartungen wecken. Schulz wurde mit 100 Prozent gewählt, erst zum Parteichef und dann zum Kanzlerkandidaten. Da die Sache mit dem SPD-Vorsitz für Scholz ohnehin durch ist und er auf SPD-Parteitagen meistens miese Ergebnisse einfährt, lauert hier keine Gefahr.

Also Häkchen dran und zu Punkt zwei: Landespolitiker im Zaum halten. 2017 hat Hannelore Kraft, damals SPD-Ministerpräsidentin von NRW, Schulz einen Maulkorb verpasst, bis ihre NRW-Wahl durch sei. Millionen Menschen in Deutschland wunderten sich dann aber, warum man von Schulz nichts hörte. Konflikte mit Landespolitikern können auch für Scholz rasch entstehen, denn im Bundestags-Wahljahr stehen sechs Landtagswahlen an.

Drittens: Rückhalt der Parteibasis sichern. Da hapert es noch etwas. So euphorisch die SPD ihren Schulz gefeiert hat, so sehr hadern viele mit ihrem Scholz. Aber er braucht die Parteimitglieder, denn die bestreiten maßgeblich den Wahlkampf. Viel wird davon abhängen, wie gut sich Scholz auf dem nächsten Parteitag verkauft und damit zum vielleicht wichtigsten Punkt.

Viertens: mitreißen. Wie stark oder schwach die SPD wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Menschen begeistern, ob auf Marktplätzen oder im Bundestag, das kann Schulz trotz seiner Wahlschlappe besser als Scholz. Klar, soll der jetzt nicht so tun, als sei er plötzlich eine rheinische Frohnatur. Aber wie man ein bisschen feuriger rüberkommt, das kann er sich bei Schulz schon abgucken. Das Treffen könnte sich also lohnen.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 17.8.20, 12-15 Uhr

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