Ampel

Die Idee ist nicht ganz neu, dennoch bringt Bayerns Ministerpräsident Söder sie wieder ins Gespräch: eine bundesweite "Corona-Ampel". Das sei völlig überflüssig und sogar riskant, findet unser Redakteur.

Es gibt Produktempfehlungen, die lauten etwa so: nette Idee, aber brauche ich das wirklich? Mit der Corona-Warn-Ampel wäre es auf den ersten Blick genauso. Auf den zweiten Blick würde ich sogar sagen: Finger weg! Eine Corona-Ampel wäre erstens: überflüssig. Und zweitens: riskant. Überflüssig deshalb, weil es schon bekannte Informationswege gibt, sich auf dem Laufenden zu halten. Und alle, die nicht ständig am Handy hängen, und die Auswirkungen auf den eigenen Alltag abschätzen, kriegen das mit über ihr Umfeld, Arbeitsplatz, Schule, Betreuung, Familie, Freunde.

Rote Bereiche sind wie ein Stau – großräumig umfahren

Eine Corona-Ampel, die klären soll, wann bestimmte Regionen strengere Alltagsregeln brauchen, wäre überflüssig und sie wäre sogar riskant, weil sie falsche Sicherheiten erzeugen könnte. Grüne Regionen könnten schnell wieder Familienfeiern, Chorproben und diverse andere Treffen vieler Menschen erleben, weil die Leute sich denken würden: prima, alles im grünen Bereich. Und das vielleicht verwechseln mit: prima, alles wie vorher. Grün wären Bereiche nur deshalb, weil die Menschen eben vorher vorsichtig waren und rot wären sie dann, wenn in den Tagen zuvor eben keine Vorsicht herrschte.

Es bleibt leider dabei: rote Bereiche, in Sachen Corona, sind wie ein Stau – da heißt es, weiträumig umfahren und zwar früh genug. Steckt man erstmal drin, ist es zu spät. Dann stehen erst einmal alle Ampeln auf rot. Wer nebenbei noch erwähnen möchte, dass die Idee von Markus Söder kam, erfüllt damit dessen Wunsch, im Gespräch zu bleiben. Das ist verständlich, aber zumindest überflüssig.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 28.9.20, 12-15 Uhr

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