Hexe im Hexenmuseum
Hexe im Hexenmuseum Bild © ARD

Pünktlich zur Walpurgisnacht hat das Hexenmuseum Schweiz mit einer neuen, wissenschaftlich begleiteten Ausstellung wiedereröffnet. Sie präsentiert alle Aspekte rund um das Thema Hexe - das Ganze unter der Leitung einer veritablen Wicca. Auch die Magie kommt nicht zu kurz - mit Vollmondführungen und der Einbettung in ein romantisches Schloss.

Wicca Meier-Spring führt stolz durch die neuen Ausstellungsräume ihres Hexenmuseums. Nach Jahren in beengten, privaten Räumen hat die Ausstellung nun in einem Landschloss im deutschschweizer Kanton Aargau ein geräumiges Zuhause gefunden. Gleich zu Beginn der Schau tauchen die Besucher ein in das dunkle Kapitel der Hexenverfolgung. "In der Schweiz fing es 1419 an und hat 1782 mit Anna Göldi aufgehört - der letzten bekannten Schweizer Hexe. Also rund 350 Jahre war das ein Thema in der Schweiz", sagt Meier-Spring.

Europaweit wurden bis zu 60.000 Menschen, überwiegend Frauen, als Hexen zum Tode verurteilt, davon allein rund 10.000 in der Schweiz. Das Land hält einen traurigen Rekord: Nirgendwo sonst endeten so viele Menschen auf dem Scheiterhaufen. Hexen dienten im Mittelalter als Sündenböcke für Katastrophen und Krankheiten. Man warf ihnen vor, einen Bund mit dem Teufel geschlossen zu haben. Mangels Beweisen erpresste man von den Unschuldigen mit Folter Geständnisse.

"Alles beseelt"

Als Legitimation für das brutale Vorgehen diente das Buch des Dominikanermönchs Heinrich Kramer - der "Hexenhammer, Malleus Maleficarum" -, erzählt Wicca Meier-Spring: "Mit der Anleitung, wie man eine Hexe eigentlich erkennt, wie man sie zu richten und zu befragen hat. Dieses Buch wurde über 30.000 Mal gedruckt. Und das im 15. Jahrhundert. Das war neben der Bibel ein Bestseller."

Das Museum gewährt Einblicke in Forschungen über die mittelalterlichen Hexenprozesse - kirchliche, wie weltliche. Die Ausstellung blickt aber auch in die Gegenwart. Moderne Hexen lebten einen naturverbundenen Spiritismus, sagt Wicca Meier-Spring: "Sie leben diesen Weg, diese Bezeichnung der Hexerei in der heutigen Zeit. Diese hat natürlich nichts mehr mit dem Teufel zu tun, sondern das ist eine bewusste Lebenseinstellung, bei der man sich auf die Natur besinnt. Für die modernen Hexen ist alles beseelt: Die Pflanzen, die Tiere. Sie arbeiten mit den Elementen Feuer, Erde, Wasser, Luft und vor allem mit dem Geist und dem eigenen Verstand."

Die Wetterhexe braut das Unwetter

Sie selbst sieht sich als eine solche moderne Hexe, sagt Wicca Meier-Spring. Seit ihrer Kindheit interessiere sie sich für das Thema. Irgendwann begann sie Dinge rund um Hexen zu sammeln und legte damit den Grundstein für ihr Museum. Mehr als tausend Exponate hat sie zusammengetragen. In den Vitrinen liegen unzählige Schmuckstücke mit mystischen Symbolen, Tarot-Karten und sowie Gegenstände zur Abwehr von Hexen und Dämonen.

Anschaulich gibt die Ausstellung einen Überblick über Volksglauben, Aberglauben und Sagenwelt. Auf Schautafeln wird die Herkunft und Bedeutung von Wörtern und Redewendungen erklärt, die sich auf Hexen beziehen: "Bei der Wetterhexe glaubte man wirklich, dass da zwei auf einem Hügel stehen, ihren Trank brauen und daraus entstehe dann das Unwetter", so Meier-Spring. "Wir sagen ja auchheute immer noch: 'Ein Unwetter braut sich zusammen.' Ja, wer braut das denn?" Das liebevoll gestaltete Hexenmuseum ist lehrreich und unterhaltsam, aber es polarisiert. Um die Eröffnung zu verhindern, riefen fundamentale Christen zum Gebet.

Sendung: hr-iNFO, 30.4.18, 12:35 Uhr

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