Plakatwerbung für "Der Beste Vater" (Anne Allmeling)

Für viele Ägypter gehören sie zur Fastenzeit wie Datteln und Milch: Ramadan-Serien im Fernsehen. Auch dieses Jahr wurden mehr als 30 Serien produziert: Sozialdramen, Komödien, Action - vom Staat mit finanziert.

Düstere Dramen aus Oberägypten, Alltagsgeschichten aus den Vierteln der Großstadt, Action-Szenen in umkämpften Gebieten – mehr als 30 neue Serien aus Ägypten strahlen die Fernsehsender während des Ramadan aus – zur besten Sendezeit nach Sonnenuntergang, wenn sich die Familie zum Fastenbrechen versammelt. Jeden Abend eine Episode – 30 Tage lang.

Sabry Atteyeb aus dem Kairoer Stadtviertel Embaba hat einen klaren Favoriten: "Mohammed Ramadan ist der Beste. Es gibt eine neue Serie mit ihm – Moussa. Ich habe den Trailer gesehen. Total gut!" Mohammed Ramadan gehört zu den beliebtesten Schauspielern und Sängern in Ägypten – und zu den bestbezahlten. Auch andere Stars wie Yousra, Karim Abdel Aziz und Yehiya Al-Fakharany und Newcomer wie Nejib Belhassan spielen dieses Jahr mit.

Systemtreue Helden unterstützt vom Staat

"Der große Unterschied zwischen Ramadan-Serien und anderen Serien im Fernsehen ist das Geld, das in diese Serien fließt – aber auch die Stars, die die Hauptrollen übernehmen." Sagt der Filmkritiker Ahmed Atef. Die Stars sind ein Garant für hohe Einschaltquoten und sorgen so für astronomisch hohe Werbeeinnahmen.

Viele Serien haben dieselbe Produktionsfirma – eine, die vom Staat unterstützt wird. Ein klarer Trend in diesem Jahr: Geheimdienstler, die für das Gute kämpfen, Polizisten, die sich für ihr Land aufopfern – staatstreue Helden also, die sich gegen alles wehren, was dem herrschenden System gefährlich werden könnte. Wie in der Serie "Al Ikhtiyar" – Die Entscheidung. "Al Ikhtiyar" handelt von Sicherheitskräften, die unter der Herrschaft von Präsident Abdel Fattah Al-Sisi gegen den Terror kämpfen. Die Hauptfigur will sich für die gefallenen Kollegen rächen.

Erfolg auch über Ägypten hinaus

Ramadan-Serien sind für viele arabische Schauspieler der Schlüssel zum Ruhm. Für den tunesischen Schauspieler Nejib Belhassan geht dieses Jahr ein Traum in Erfüllung – mit einer Rolle in der ägyptischen Serie "Moussa": "Die ganze arabische Welt, fast 400 Millionen Menschen, schaut die ägyptischen Produktionen – ob Spielfilme oder die alten in Schwarz-Weiß. Außerdem gibt es hier in Ägypten viele Filmproduktionen. Deshalb ist es für mich als Tunesier und Araber wichtig, in ägyptischen Produktionen dabei zu sein."

In der Serie "Moussa" spielt Nejib Belhassan einen britischen Soldaten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs – an der Seite von Superstar Mohammed Ramadan. Riesige Reklame-Wände werben an den Schnellstraßen für die neuen Serien: "Bürgerkrieg", "Die Tochter des Sultans", "Zwischen Himmel und Erde".

Fasten und Beten statt Serien gucken

"Ich freue mich jedes Jahr auf die Ramadan-Serien. Alles, was mich zum Lachen bringt, schau‘ ich mir an." Sagt Fayez Shehata. Der 63-Jährige Kopte lebt in einem überwiegend muslimischen Viertel. "Ja, ich bin Christ – und trotzdem feiern wir Ramadan. Wir hängen die bunten Lampen auf und schmücken die Straßen damit. Ramadan bringt allen Ägyptern viel Segen und Gutes."

Für ihn gehören die Serien dazu. Jeden Tag schauen er und seine sechs Kinder zumindest eine Weile fern. Wer dazu keine Zeit hat, bekommt später noch eine zweite Chance – sagt seine Nachbarin Magda Mohammed: "Ramadan ist für mich nicht der Monat der Serien, sondern der Monat des Segens. Diesen Monat gibt es nur einmal im ganzen Jahr, deshalb nutze ich ihn zum Beten und Fasten. Die Ramadan-Serien werden nach Ende des Fastenmonats alle noch einmal gezeigt – dann habe ich das ganze Jahr Zeit, sie zu sehen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 13.4.2021, 12 bis 15 Uhr

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