Das Logo der Alternative für Deutschland (AfD). (dpa)

Die AfD bereitet sich auf ihren Präsenz-Parteitag in Dresden vor. Dabei stehen wichtige Punkte auf der Agenda: Wer führt die Partei in den Wahlkampf? Wie sieht das Parteiprogramm aus? Und wie gefährlich sind interne Machtkämpfe?

Vor dem Parteitag in Dresden ist die Lage in der AfD angespannt. Tino Chrupalla, der eine Parteichef der AfD, wünscht sich, dass der innerparteiliche Machtkampf nicht wieder eskaliert: "Na, insgesamt bin ich erstmal sehr zuversichtlich, dass wir einen sehr harmonischen Parteitag mal haben werden."

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Zum Artikel Meuthen (AfD): "Innere Konflikte werden keine Rolle spielen"

AfD-Bundesvorsitzender Jörg Meuthen
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Es geht um die Frage, ob auf diesem Parteitag Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlkampf aufgestellt werden. Und wenn ja - wer. Für den Fall der Fälle rechnet sich Tino Chrupalla gute Chancen aus. "Ich bin mit einem sehr großen Votum in Sachsen Spitzenkandidat geworden, bin Bundesvorsitzender, also wenn die Partei das wünscht, stehe ich natürlich zur Verfügung", so der Parteivorsitzende

Es wird eng für Weidel

Chrupalla, so hört man es immer wieder, ist als Kandidat der Ostverbände gesetzt. Aber er kann nicht der alleinige Kandidat sein, findet Jörg Meuthen, der andere Parteichef der AfD: "Ich halte es bei einem Spitzenkandidatenduo, und ich gehe jetzt mal von einem Duo aus, für ganz elementar, dass alle Strömungen der Partei sich darin wiederfinden, dass wir also so breit aufgestellt sind, dass alle Parteimitglieder sich davon mitgenommen fühlen."

Das bedeutet: Kein zweiter Kandidat aus dem sozialpatriotischen ehemaligen Flügellager. Damit könnte es für Fraktionschefin Alice Weidel eng werden. Denn das Meuthenlager sieht sie inzwischen beim ehemaligen Flügel. Weidel will erst am Samstagvormittag bekannt geben, ob sie kandidiert.

Statt Weidel soll Joana Cotar, Digitalpolitikerin aus Hessen, übernehmen. "Ja, ich stehe als Spitzenkandidatin zur Verfügung, und ich halte es auch für eine gute Idee, ein Spitzenduo zu wählen", so Cotar. Was sagt Tino Chrupalla zu Joana Cotar? Begeisterung hört sich sicher anders an: "Das muss der Parteitag entscheiden. Und das müssen die Delegierten entscheiden, ob das in Dresden entschieden wird. Und wenn sich die Mehrheit dafür entscheidet, dann gilt es, das zu akzeptieren, das würde ich genauso tun", sagt Vorsitzender Chrupalla.

Machtkampf überlagert alles

Kaum, dass bekannt war, dass Cotar ins Rennen gehen will, lief schon eine Schmutzkampagne an. Es wurde darüber gelästert, dass Cotar mal Feng-Shui-Beraterin war. Ihr wird außerdem vorgeworfen, dass ihr Bruder in der Tech-Branche arbeitet - und dass sie als Digitalpolitikerin das nicht offen gelegt habe. "Die Schmutzkampagne, das gebe ich offen zu, hat mich am Anfang ein bisschen getroffen. Weil mir nicht klar war, dass tatsächlich Leute in meine Familiengeschichte eintauchen und da versuchen, Schmutz herauszusuchen", so die Digitalpolitikerin.

Doch jetzt, so Cotar, lache sie darüber. Das stamme alles vom so genannten Narrensaum in der Partei, niemand nehme diese Leute noch ernst. Doch beim Parteitag könnten unangenehme Fragen auf Joana Cotar zukommen. Der Machtkampf zwischen den Strömungen in der AfD überlagert wieder einmal alles. Dabei wollte man doch so gerne über Inhalte - nämlich das Bundestagswahlprogramm - reden. Doch das, so hört man aus der Partei, interessiert gerade eigentlich keinen.

Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 09.04.2021, 9 bis 12 Uhr

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