Volker Bouffier beim CDU-Parteitag.
Bild © picture-alliance/dpa

Der hessische Ministerpräsident steht im Flüchtlingsstreit klar an der Seite der Kanzlerin. Auch er will eine europäische Lösung oder zumindest bilaterale Abkommen, um Flüchtlinge an der Grenze abzuweisen. Vor allem aber will Bouffier – wie die Kanzlerin auch – eine weitere Eskalation im Streit vermeiden.

Die Position

Bouffier gilt als ausgezeichneter Vermittler. Und auf diese Stärke setzt die Kanzlerin. Beim ersten großen Showdown zwischen Merkel und Seehofer im Kanzleramt vor zwei Wochen wurde das deutlich. Seehofer brachte Markus Söder als Adjutanten mit, Merkel kam mit Bouffier. Dem ehemaligen Scheidungsanwalt traut sie offenbar zu, auch heillos zerstrittene Partner wieder zu besänftigen.

Das Motiv

Volker Bouffier braucht für die hessischen Landtagswahlen im Oktober Ruhe in der Union und Rückendeckung aus Berlin. Beides ist durch den aktuellen Asylstreit aber kaum möglich. Außerdem gibt es durchaus CDU-Wähler, die im Flüchtlingsstreit für Seehofer sind.

Wenn die aus Frust am Ende ihr Kreuz bei der AfD machen, wäre das für Bouffier eine Katastrophe - zumal es schon jetzt für seine Schwarz-Grüne Koalition in Umfragen nicht gut aussieht. Kein Wunder also, dass er alles dafür tut, das brennende Unions-Haus so schnell wie möglich zu löschen. Das wird allerdings schwer, solange die Kollegen aus Bayern eifrig Öl nachschütten.

Möglicher Kompromiss

Für Bouffier ist es gar nicht so entscheidend, wie ein Kompromiss am Ende aussieht. Hauptsache es gibt ihn. Der dienstälteste CDU-Ministerpräsident warnt deshalb so lautstark wie kaum ein anderer vor dem Zerfall der Fraktionsgemeinschaft.

Zum Beispiel diese Woche auf dem Bauerntag in Wiesbaden: Wenn Deutschland nicht handlungsfähig sei, dann sei auch Europa nicht handlungsfähig. Es gebe viele gute Gründe zusammenzubleiben. Ansonsten drohten in Deutschland "italienische Verhältnisse". Und ganz nebenbei eine Schlappe bei der hessischen Landtagswahl – aber das hat Bouffier natürlich nicht gesagt.

Sendung: hr-iNFO, 29.6.2018, 6:20 Uhr

Jetzt im Programm