Frau sitzt hinter mehreren Bierflaschen

Andreas und Sylvia Heimann aus Offenbach waren alkoholabhängig. Ihre Kinder haben das miterlebt - bis die Eltern entschieden haben, dass Schluss ist. Im Gespräch mit hr-Reporter Marc Klug erzählen sie, wie sie es seit fast 20 Jahren schaffen, abstinent zu bleiben - und welche Spuren die Sucht bis heute hinterlassen hat.

"Ein Bein brech ich mir, dann krieg ich einen Gips und alles wird gut. Alkoholkrank bin ich mein ganzes Leben" - so stellt sich Andreas Heimann vor. Heute kann der Leiter einer Selbsthilfegruppe in Offenbach mit Stolz sagen, dass er seit 19 Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken hat.

Aber das war im Jahr 2003 noch ganz anders: "Ich konnte zum Beispiel nie ohne Alkohol sein, selbst wenn ich fahren musste. Die Sucht, die war stärker als alles andere", sagt der 61-Jährige. Früher habe er jeden Abend eine Flasche Wermuth geleert – auch, um die Alkoholsucht seiner Frau Sylvia zu ertragen.

Betrunken auf Fahrradtour

Bei Sylvia sei die Abhängigkeit sogar noch extremer gewesen, sagt Andreas Heimann. "Ein Auslöser ist zum Beispiel, dass wir eine Fahrradtour gemacht haben, ein Mann auf mich zukommt und mir sagt, er findet es unverschämt, dass ich meine Frau betrunken Fahrrad fahren lasse und ich aber gar nicht realisiert habe, dass die schon früh um 10 Uhr getrunken hatte."

Einige Tage später ist auch Sylvia Heimann erstmals so richtig bewusst geworden, dass sie ein Alkoholproblem hat. Was sie gesagt oder getan habe, das sei alles nicht mehr so klar gewesen damals. "Die Kinder haben das dann natürlich auch gemerkt, dass wir in der Familie, im Eheleben nicht mehr klargekommen sind. Wir konnten nicht mehr miteinander reden. Und dann kam halt der Punkt, wo er gesagt hat, entweder du hörst auf zu trinken oder ich lasse mich scheiden."

Abhängigkeit hat Spuren hinterlassen

Unmittelbar danach hat sich die heute 60-Jährige mit ihrem Mann in Therapie begeben. Zu der Zeit sind die beiden Kinder, eine Tochter und ein Sohn, gerade erwachsen geworden. Die Jahre der Abhängigkeit zuvor haben aber auch Spuren hinterlassen: "Unser Sohn, mal nur als Beispiel, ist ein absoluter Einzelgänger, teilweise heute noch, weil er sich nie getraut hat, Schulfreunde mit nach Hause zu nehmen, weil er nie weiß, wie sieht die Mutter zu Hause aus?"

Trotz all dem ist sich das Paar einig: Ihre Alkoholsucht ist auch ein abschreckendes Beispiel für die eigenen Kinder – und eine Erfahrung, die man gleichzeitig nicht vergessen darf: "Die Schwierigkeit ist das Vergessen. Wenn ich mich zu Hause hinsetze und dann kommt der Gedanke: 'Oh, jetzt bin ich ja so lange weg davon, so schlimm war das ja vielleicht gar nicht und ich könnte ja mal probieren'. Aber das kann man ausschalten über so einen Gruppenbesuch. Ich bin überzeugt, dass wir die 19 Jahre Abstinenz nur deswegen geschafft haben.

Abstinenz dank Selbsthilfegruppe

Seit genauso langer Zeit geben Andreas und Sylvia Heimann in ihrem Verein "Los – Leben ohne Sucht" ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Alkoholsucht an andere Betroffene aus dem Raum Offenbach weiter.

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Aktionswoche Alkohol: "Gehen in Deutschland sehr leichtfertig mit Alkohol um"

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Aktionswoche: Vorbild sein im Umgang mit Alkohol

Vom 16. bis 20. Mai finden im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Alkohol hessenweit Veranstaltungen des Alkoholpräventionsprogramms „HaLT- Hart am LimiT“ (HaLT) statt. Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) und die HaLT-Standorte in Hessen möchten in dieser Woche auf das Thema „Vorbildverhalten im Umgang mit Alkohol“ aufmerksam machen. [mehr]

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