Wunderkerzen an Silvester

Für viele kann das Jahr 2020 nicht schnell genug enden. Allerdings sorgt die Corona-Pandemie dafür, dass das neue Jahr nicht wie traditionell mit viel Krach und Feuerwerk eingeleutet wird. Wir zeigen, wie andere Länder abseits von Feuerwerk das neue Jahr feiern.

Alle Jahre wieder kommt nicht nur Weihnachten, sondern auch Silvester. Und damit auch das große Feuerwerk hierzulande. Oder um genauer zu sein: zahlreiche Feuerwerke. Nur dieses Jahr sieht das ganz anders aus. Wegen Corona dürfen keine Böller und Raketen verkauft werden und auch die aus dem letzten Jahr darf man nicht abbrennen. Nicht auf öffentlichen Plätzen und in vielen Teilen Hessens auch nicht privat.

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Feuerwerk über Frankfurt.
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Denn die Krankenhäuser sind auch schon so überlastet – durch Corona. Da soll es nicht noch mehr Patienten geben, die sich beim Böllern verletzen. Gleichzeitig sollen so auch große Menschenansammlungen vermieden werden. Nur was sind jetzt alternative Rituale, um das neue Jahr zu begrüßen?

 Gemütlich ins Neue Jahr

Natürlich braucht es etwas Fantasie, wenn man sich all die Jahre aufs Feuerwerk verlassen hat - sei es nun dass andere böllern oder auch man selbst. Maureen Amend aus Frankfurt hat aber schon eine passende Alternative gefunden: "Ich habe ein kleines Tischfeuerwerk für zu Hause. Und wir machen Bleigießen. Etwas Leckeres gekocht und einen Film reingemacht, oder mal gucken - vielleicht gibt’s irgendwo in der Welt einen Countdown, den man online gucken kann."

Silvester wird sicher nicht nur für Maureen Amend voraussichtlich eher gemütlich, denn auch andere Hessen besinnen sich aufs Feiern daheim. Aber es gibt auch einige weitere Alternativen zu Böllern. Andere Länder machen es vor, denn nicht überall wird ein Feuerwerk zum Jahreswechsel entzündet.

"Jenseits von Krach, Bumm, Peng"

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, empfiehlt deshalb den Blick auf Bräuche aus anderen Ländern. In Spanien etwa esse man um Punkt zwölf Weintrauben, um Glück fürs neue Jahr zu erwirken. Und in Tschechien schneide man einen Apfel entzwei. "Je nachdem, ob sich ein Kranz oder ein Kreuz zeigt im Kerngehäuse, ist es dann Glück oder Pech. Ich glaube auch, dass wir in Deutschland die Chance hätten, neue Bräuche zu entwickeln, die jenseits von Krach, Bumm, Peng liegen."

In Österreich wird um Mitternacht traditionell Walzer getanzt. In Russland schreibt man Neujahrswünsche auf einen Zettel, der verbrannt und in ein Champagnerglas gegeben wird. Bis Mitternacht wird das ausgetrunken. Und hier in Deutschland gibt es natürlich das Bleigießen, um schon mal einen ersten Blick ins neue Jahr zu werfen. Wer kein Blei nehmen will, kann alternativ Kerzenwachs gießen. Darüber hinaus machen auch Wunderkerzen und Konfettikanonen Spaß. Alles zu kaufen in Supermärkten und Drogerien.

Feuerwerk auf den Müllhaufen der Geschichte?

Jürgen Resch findet, dass Covid-19 jetzt, bei all dem Negativen, auch ein Chance biete, vielleicht neue Bräuche zu entwickeln. Schließlich trügen jedes Jahr tausende Menschen durch Feuerwerk zum Teil schwere Verletzungen davon, vor allem an Augen und Händen. "Die Gebräuche, die zu Verletzungen führen, zu so viel Leid und auch zu so viel Bränden in Städten, die gehören einfach auf den Müllhaufen der Geschichte."

Ganz still wird es im Übrigen dieses Jahr ja auch gar nicht werden. Denn die Kirchenglocken läuten nach wie vor um Mitternacht. Jürgen Resch wünscht sich für die Zukunft, dass wir uns ein Beispiel an asiatischen Ländern wie China nehmen. Zum Beispiel mit Drohnenshows, die mit Licht-, Laser und Soundeffekten Bilder an den Nachthimmel malen. "Ich finde das ganz klasse. Und viel kreativer als diese doch sehr beschränkten Soundeffekte, die wir beim Feuerwerk haben. Das sind einfach Knallgeräusche."

Und auf die kann bekanntlich auch die Natur gut verzichten, denn sie erschrecken nicht nur unsere Haus-, sondern auch die Wildtiere. Alle Jahre wieder, nur eben dieses Jahr mal nicht.

Sendung: hr-iNFO, 28.12.2020, 6-9 Uhr

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