Der Hühnermarkt in der neuen Frankfurter Altstadt

In der neuen Frankfurter Altstadt dürfen Geschäfte streng genommen noch keine Außenbestuhlung haben. Die Gastronomen würden das Problem gerne mit der Stadt klären. Allein der richtige Ansprechpartner fehlt.

Sonnenschein, blauer Himmel, ein Bummel durch die neue Frankfurter Altstadt, deren Zentrum der Hühnermarkt mit dem Stoltze-Brunnen ist: Das lassen sich dieser Tage viele Frankfurter und Touristen gefallen. Christian Ress, Geschäftsführer der Vinothek hier, hat hingegen ein Problem. Er hat noch keine offizielle Genehmigung für das Aufstellen seiner Tische – genau wie alle anderen Gastronomen auf dem Hühnermarkt.

Das liegt daran, dass die Flächen noch nicht in der Verantwortung der städtischen Behörde liegen, die später einmal zuständig sein wird und die entsprechenden Genehmigungen erstellen kann. "Im Moment schweben wir alle in einem rechtlichen Vakuum. Wir tasten uns alle in informellen Gesprächen mit den Behörden ein bisschen ran", sagt Ress. Im Klartext heißt das, dass er und seine Gastronomie-Kollegen die Tische nach eigenem Wissen und Gewissen rausstellen.

"Jeder will seine Belange berücksichtigt haben"

Das ist gar nicht so einfach. Denn in der neuen Frankfurter Altstadt gibt es zahlreiche Beschränkungen, angefangen bei den strengen Auflagen des Brandschutzes. Aber das ist längst noch nicht alles: "Der Behinderten-Beauftragte der Stadt hat dafür gesorgt, dass ausreichend Blinden-Wege da sind. Das ist begrüßenswert", erzählt Ress. "Man sieht aber auch, dass die Feuerwehr ihre Belange durchgesetzt hat. Und wenn jeder seine Belange berücksichtigt haben will, bleibt auf dem Platz fast nichts mehr übrig, was von den Gastronomen genutzt werden kann."

Streit mit der Stadt habe man nicht, aber es werde durchaus diskutiert. Der Besitzer der Vinothek hofft, dass seine Interessen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Schließlich wolle auch die Politik eine belebte Altstadt. Doch derzeit scheinen sich Stadt und Dom Römer GmbH, die die Altstadt geplant hat, die Verantwortung hin- und herzuschieben. Die GmbH betont, sie sei nicht mehr zuständig, sondern, übergangsweise, das städtische Amt für Bau und Immobilien und langfristig das Amt für Straßenbau und Erschließung.

Hickhack sorgt für hochgezogene Augenbrauen

Das Amt für Bau und Immobilien spielt den Ball auf Nachfrage von hr-iNFO den Ball aber wieder zurück: "Bis zu einer öffentlichen Widmung der Flächen, stehen die Wegeflächen im Miteigentum aller Eigentümer des Dom-Römer-Areals. Verwalter für die Eigentümer ist die Dom Römer GmbH, die nach unseren Informationen auch die derzeitigen Außenbestuhlungen über die Gastronomie-Verträge geregelt hat“, teilte das Amt schriftlich mit.

Ein Schildbürgerstreich, der bei den Gastronomen zumindest für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Schließlich wisse man nicht erst seit gestern, dass der Frühling  und damit die Outdoor-Saison kommt. Die Besucher der Altstadt merken von diesen Querelen im Hintergrund nichts. Sie genießen einfach nur die warme Frühlingssonne und sitzen dabei – natürlich – draußen.

Sendung: hr-iNFO, 17.04.2019, 7.20 Uhr

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