Angela Merkel und Sebastian Kurz spazieren nebeneinander her.

Trotz Meinungsverschiedenheiten sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz per Du. Das verwundert, immerhin duzt die CDU-Politikerin nicht mal sämtliche Unionsparteifreunde. Eine Spurensuche.

Passiert sein muss es irgendwann im Sommer 2018: Noch im Juni sprach damals Sebastian Kurz Angela Merkel als "geschätzte Frau Kanzlerin" an. Im September 2018 dann hieß Merkel den jungen Österreicher mit einem "Lieber Sebastian" in Berlin willkommen. Dass die beiden seitdem vom "Du" nicht mehr abgerückt sind, wurde nun beim jüngsten Treffen deutlich: Trotz offen ausgesprochener Meinungsverschiedenheiten - beim Thema Flüchtlinge oder auch bei der Finanztransaktionssteuer - flüsterte Merkel Sebastian Kurz nach der Frage einer Journalistin zu: "Fang Du mal an." Was der österreichische Gast bereitwillig tat.

Angelas Duz-Freunde sind rar

Wann genau, wie und vor allem warum die beiden sich zum 'Du' durchrangen, dazu schweigt das Kanzleramt sich aus. Nun ist es aber zum Beispiel bei EU-Gipfeln in Brüssel Gang und Gäbe, dass sich die Staats- und Regierungschefs mit Vornamen ansprechen: Boris Johnson ist also "Boris", Emmanuel Macron ist "Emmanuel". Wenn man sich von solchen Anlässen ohnehin als "Angela" und "Sebastian" kennt, klingt es zumindest im Deutschen etwas unbeholfen, Sätze dann mit "Angela" zu beginnen und mit "Sie" fortzusetzen. Aus einem europäischen "Du" kann so zumindest theoretisch schnell mal ein persönliches "Du" werden.

Nun ist die Kanzlerin sicher nicht bekannt dafür, allzu verschwenderisch mit Vertraulichkeits-Floskeln umzugehen: Während in der SPD kein Genosse je auf die Idee käme, einen anderen zu siezen, ist Merkel noch nicht mal mit allen Unionsparteifreunden per Du. Peter Altmeier darf "Angela" sagen, Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ebenfalls, auch CSU-Mann Horst Seehofer duzt Merkel – obwohl die beiden schon heftigen Streit austrugen.

Hauptsache die Etikette stimmt

Auf internationaler Bühne ist vieles einfacher: Da kommt man selten in Verlegenheit, sich entscheiden zu müssen: "How are you, Donald?" Kann eben "Wie geht’s Dir?" genauso wie 'Wie geht es Ihnen?' bedeuten. Und Kommissionschefin von der Leyen kennt Merkel sowieso viel zu gut, als dass sie sich siezen würden.

Eins jedenfalls ist klar: Ist alles nach den Regeln der Höflichkeit abgelaufen, dann muss es die deutsche Kanzlerin gewesen sein, die dem österreichischen Kanzler das Du anbot. Immerhin ist Merkel mit 65 Jahren doch fast doppelt so alt wie der 33-jährige Kurz.

Sendung: hriNFO Aktuell, 05.02.2020, 9-12 Uhr

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