Adrian Elter, TU Darmstadt

Über 200.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an Krebs. Zwar werden immer neue Therapiemethoden entwickelt und die Überlebenschancen steigen, trotzdem bleibt gerade der Brustkrebs für Frauen die gefährlichste Krebsart. Einen Schritt hin zu einer besseren Behandlung haben jetzt Forscher an der TU Darmstadt gemacht.

Adrian Elter ist Doktorand der Biochemie an der TU Darmstadt. Er arbeitet mit Antikörpern, die sich 'anknipsen' lassen und die Krebspatienten meist per Infusion verabreicht werden. Sie sollen die Krebszellen erkennen, dort andocken und dann das Immunsystem informieren – das sich dran macht, die wuchernden Zellen zu beseitigen.

Dieses System ist grundsätzlich nicht neu, schon in den 1980er Jahren gab es erste Antikörpertherapien. Ein Problem dabei ist, wie Elter erklärt, dass "genau diese Bindestelle, die dafür zuständig ist, dass im Krebsgewebe die Immunzellen rekrutiert werden und den Krebs zerstören können, auch dafür zuständig ist, dass in gesundem Gewebe Nebenwirkungen entstehen können."

Schlimme Nebenwirkungen

Dr. Harald Kolmer, Professor für Biochemie an der TU Darmstadt, betreut die Forschungsarbeit von Adrian Elter. Er hat diese Nebenwirkungen schon häufig beobachtet, beispielsweise bei einem Darmkrebsantikörper: "Der Antikörper Erbitux ist eigentlich gut wirksam und dockt an Tumorzellen im Darm an und erkennt dort ein bestimmtes Protein." Dummerweise kommt genau dieses Protein auch auf Hautzellen vor, was dazu führt, dass der Antikörper auch auf Hautzellen andockt, mit teilweise schlimmen Nebenwirkungen: "Dann bekommt man entzündliche Hauterkrankungen bis dahin, dass sich Hautschichten ablösen."

Das bedeutet, dass man bei der Dosierung ganz vorsichtig sein muss. Das Fenster zwischen 'zu viel Wirkstoff (die gesunden Zellen werden angegriffen) und 'zu wenig Wirkstoff' (die Krebszellen können nicht effektiv vernichtet werden) ist teilweise sehr klein.

Schutzmaske für Antikörper

Dieses Fenster könnte durch die Entwicklungen von Adrian Elter erweitert werden. Seine Brustkrebsantikörper haben nämlich einen 'Deckel' oder eine 'Maske', damit sie das Immunsystem nur aktivieren, wenn sie auch wirklich an Krebszellen angedockt sind. Harald Kolmer erklärt, dass sich Elters Verfahren zunutze macht, dass Tumorzellen selbst Spaltenzyme bilden, die sogenannten Proteasen. "Und Adrian Elter hat das Ganze so gebaut, dass diese Maske von diesen Tumor-Proteasen abgespalten wird."

Das heißt, der Proteindeckel sitzt auf dem Antikörper fest und wird nur in der Nähe eines Tumors von der Krebszelle selbst abgespalten und beginnt dann, die Immunzellen zu aktivieren. Überall sonst im Körper ist der Antikörper quasi stumm geschaltet.

"Bessere Antikörper für die Zukunft"

Dass das so gut klappt, hätte Professor Harald Kolmer selbst nicht gedacht. Bei den Messungen konnte kein einziger Antikörper gefunden werden, der sein Hütchen an anderer Stelle im Körper abgelegt und so die Immunzellen auf gesunde Körperzellen angesetzt hätte.

Den Bausatz für dieses Verfahren hat Adrian Elter im Fachjournal „Frontiers in Immunoligy“ detailliert veröffentlicht, so dass jeder Medikamentenhersteller jetzt darauf zugreifen kann: "Uns war es wichtig, die Möglichkeit zu eröffnen, dass jeder diesen Deckel verwenden kann." Deshalb seien die Masken testweise mit zwei Antikörpern eingesetzt worden, die seit Jahren zugelassen sind. "Die Hoffnung ist, dass dieses Konzept aufgegriffen wird und dass es dazu beiträgt, bessere Antikörper für die Zukunft zu machen."

Bis die dann aber zugelassen und auf dem Markt sind, gehen noch Jahre ins Land.

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