Eine Uhr, die 3 Uhr anzeigt
Die Zeitumstellung in Europa wird abgeschafft. Bild © picture-alliance/dpa

Die Zeitumstellung in Europa wird abgeschafft. Die Frage ist nur, welche Länder künftig dauerhaft auf die Winter- und welche auf die Sommerzeit bauen. Beides bringt Probleme mit sich.

"Die Zeitumstellung gehört abgeschafft", sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Mittwoch vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Juncker reagiert damit auf die Kritik, dass Brüssel zu viel regeln will und den EU-Ländern zu wenige Entscheidungen überlässt.  

Der Kommissionschef ist der Meinung, dass die EU-Bürger bereits im März nächsten Jahres zum letzten Mal an der Uhr drehen sollen. Seine Behörde hat einen entsprechenden Gesetzesvorschlag gemacht. Damit setzt Juncker die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer und das Europaparlament ziemlich unter Zeitdruck. Sie müssen über den Vorschlag beraten und ihm letztendlich zustimmen. Die Länder können dann selbst entscheiden, ob sie bei sich zuhause dauerhaft Sommer- oder Winterzeit haben möchten.

Sommer- oder Winterzeit?

Droht da ein Zeitzonen-Chaos in Europa? Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese winkt ab. Er schlägt vor, dass EU-Länder, vor allem Nachbarländer, sich absprechen und für eine gemeinsame Zeit entscheiden sollen. "Dass man nicht, wenn man von Norddeutschland über die Niederlande und Belgien nach Frankreich fährt, drei Mal die Uhr umstellen muss. Aber ich glaube, dass kriegt man hin, dass sich die Mitgliedsstaaten in eine Richtung entscheiden", so Liese.

In Deutschland bevorzugen viele Menschen die dauerhafte Sommerzeit. Ebenso ist es zum Beispiel in Österreich und Belgien. Für viele Länder in Mitteleuropa ist die ewige Sommerzeit von Vorteil, weil es abends länger hell ist. Vor allem für Berufstätige ist das ein wichtiges Argument. Dafür ist es allerdings morgens deutlich länger dunkel. Es gibt noch einiges zu bedenken, warnt Liese: "Zum Beispiel, dass die Kinder dann fünf Monate im Jahr im Dunkeln in die Schule müssten. Und, ich weiß nicht, ob das so gut ist, denn es ist sowieso festgestellt worden, dass Kinder erst um neun Uhr wirklich aufnahmefähig sind. Vielleicht kriegt man es ja auch organisiert, dass die Schulen später anfangen." Für viele Eltern, die morgens ihre Kinder zur Schule bringen und anschließend zur Arbeit fahren, wäre das wohl ein Problem.

Schon jetzt drei Zeitzonen in der EU

Einige Länder in Europa werden sich möglicherweise gegen die Sommerzeit entscheiden. Dazu gehören könnte zum Beispiel Spanien. Im Madrid würde die Sonne im Winter sonst erst gegen 9.30 Uhr aufgehen. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm sogar noch ein wenig später.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der Europäischen Union. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht dieselbe Zeit. Acht Länder sind eine Stunde voraus, dazu gehören zum Beispiel Griechenland, Zypern, Bulgarien und Finnland. Drei Staaten sind eine Stunde zurück: Irland, Portugal und Großbritannien. Also alles halb so wild, meint Liese.

Probleme bei der Energieversorgung?

Am Samstagvormittag werden Energiekommissar Maros Sefcovic und Verkehrskommissarin Violeta Bulc ihre Vorschläge zur Abschaffung in Brüssel vorstellen. Denn welche Zeit in welchem EU-Land gilt, hat nicht nur Folgen für die Menschen, sondern auch für die Wirtschaft. Zum Beispiel für Waren, die im europäischen Binnenmarkt transportiert werden. Die Abschaffung der Zeitumstellung könnte auch Folgen für die Energieversorgung haben, etwa wenn in Zukunft morgens deutlich mehr EU-Bürger deutlich länger Licht brauchen.

Sendung: hr-info, 14.09.2018, 11 Uhr

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