Schaf Prickles

Nach sieben Jahren ist ein Schaf wieder auf seiner Farm in Australien aufgetaucht. Mit einer Wette auf das Gewicht seiner Wolle sammelten die Besitzer Tausende Dollar - und spendeten sie für Geflüchtete. Aus einleuchtenden Gründen.

Sieben Jahre Einsamkeit: Auf einer Farm in Tasmanien im Süden Australiens ist ein verschwundenes Schaf bei einer Geburtstagsparty wieder aufgetaucht. "Es war der sechste Geburtstag meines Sohnes", erzählt Farmerin Alice Bennett. "Wir machten ein Picknick im hinteren Gelände unserer Farm, als wir plötzlich über einen Damm hinweg diese große, runde Ding sahen, ein absolut rundes Schaf. Und wir dachten nur: gute Güte, was ist das denn?"

Bennett vermutet, dass Schaf Prickles ("Stacheln") – so benannt nach den stacheligen Kletten in seinem Fell – als Lamm verloren ging. Vor sieben Jahren hatten Buschfeuer viele Zäune zerstört, darum liefen ihre Schafe, wohin sie wollten. Seitdem steckte Prickles wohl in einem Stückchen Buschland fest.

Von Witzen auf ein ernstes Thema

"Als wir sie fanden, haben wir Witze darüber gemacht, dass sie doch eine Expertin in Selbstisolation sei", sagt Bennett. Und wenn Prickles sieben Jahre lang in Isolation verbringen könnte, hätten sie alle keinen Grund zur Beschwerde, dass sie zu Hause festsitzen.

Von diesen Witzen kamen sie schnell auf ein ernsteres Thema. Sie wollten Prickles' Rückkehr dazu nutzen, um auf Menschen aufmerksam zu machen, die sich nicht so leicht isolieren können: "Flüchtlinge, die in Lagern leben", sagt Bennett. "Denn wenn man sich vorstellt, wie Covid-19 in einem Flüchtlingslager ausbricht, wo niemand in Selbstisolation gehen kann, wo sich vielleicht 1300 Menschen einen Wasserhahn teilen müssen, dann ist klar: Das sind die Menschen, die am nötigsten Hilfe brauchen in einer Pandemie."

Tausende Dollar für Prickles' Wolle

In den vergangenen sieben Jahren hat sich das flüchtige Tier buchstäblich ein dickes Fell zugelegt. Also ließen Alice Bennett und ihre Familie öffentlich in einem Wettbewerb raten, wie viele Kilogramm Wolle das Schaf wohl auf dem Buckel hatte. Und den Erlös spenden sie an das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

13,6 Kilogramm Wolle und 7.700 Dollar kamen zusammen. Das ehemals runde Schaf mit eher schmutziggrauer Wolle hat sich in ein schneeweißes rankes Tier verwandelt. Prickles ist glücklich zurück in der Herde und sein Fell los – das hat Alice Bennett auch an das Flüchtlingshilfswerk gespendet: "Die machen aus der Wolle etwas, das wir dann wieder versteigern werden, um noch mehr Geld für Flüchtlinge zu sammeln."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 4.5.2020, 9 bis 12 Uhr

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