Proteste in Minneapolis an der Stelle, wo George Floyd getötet wurde. (AFP)

Das UN-Menschenrechtsbüro hat strukturellen Rassismus gegen schwarze Menschen in vielen Staaten angeprangert. Vor allem in Europa, Nord- und Lateinamerika würden Menschen mit afrikanischen Wurzeln systematisch benachteiligt. Die Staaten sollten aufhören, Rassismus zu leugnen und beginnen, ihn abzubauen, forderte UN-Menschenrechtskommissarin Bachelet.

Der Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch einen Polizisten und die darauf folgenden Proteste der "Black Lives Matter"-Bewegung waren Anlass für den UNO-Menschenrechtsrat, den nun vorgelegten Bericht zu beauftragen. Dafür wurden 250 Todesfälle von Schwarzen der letzten Jahre analysiert, darunter 190 in Polizeigewahrsam. Rund 340 Menschen mit afrikanischen Wurzeln wurden befragt - etwa Angehörige von Opfern. Danach kamen die Autorinnen und Autoren des Berichts zu dem Schluss: Schwarze werden in vielen Ländern systematisch benachteiligt.

Sozial, wirtschaftlich und politisch an den Rand gedrängt

Mona Rishmawi vom UNO-Menschenrechtsbüro in Genf zählt auf, wie sich das äußert: "Menschen afrikanischer Abstammung leiden häufiger unter höherer Arbeitslosigkeit und geringeren Löhnen, unter schlechterer Bildung und Gesundheitsversorgung, sie arbeiten oft in weniger qualifizierten Jobs, begleiten seltener Führungspositionen. Sie leben oft in schlechteren Wohnungen und Stadtvierteln, sie sind oft unzureichend in politische Entscheidungen und das öffentliche Leben eingebunden. All das ist ein Teufelskreis."

Vor allem in Nord- und Südamerika sowie in Europa werden dem Bericht zu Folge Menschen mit afrikanischen Wurzeln sozial, wirtschaftlich und politisch an den Rand gedrängt. Sie werden systematisch benachteiligt - durch gesellschaftliche Einstellungen, Verordnungen und Gesetze sowie durch Behörden und Polizei, die ihnen mit Vorurteilen begegnen. "Unsere Analyse zeigt, dass in einer Reihe von Staaten Menschen afrikanischer Abstammung Opfer von sogenanntem Racial Profiling werden, also dass bei ihnen wegen Ihrer Hautfarbe Personenkontrollen und Durchsuchungen durchgeführt werden und sie dann Opfer von Missbrauch werden bis hin zu Gewalt einschließlich schwerer Verletzungen und Todesfällen", sagt Mona Rishmawi.

Bachelet: "Zustand ist unhaltbar"

Ursache für diesen "strukturellen Rassismus" sei jahrhundertelange Gewalt und Diskriminierung von Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die entsprechende gesellschaftliche Strukturen hervorgebracht hätten. "Der jetzige Zustand ist unhaltbar", sagt die UNO-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet in einer Videobotschaft und ruft zu Reformen auf, damit Tragödien wie der Tod von George Floyd künftig vermieden werden können: "Ich fordere alle Staaten auf, Rassismus nicht länger abzustreiten, sondern ihn abzubauen, Vertrauen aufzubauen, Strafverfolgungsbeamte für ungesetzliche Tötungen zu belangen, den Stimmen von Menschen afrikanischer Abstammung Gehör zu schenken, sich dem Erbe der Vergangenheit zu stellen und Wiedergutmachung zu leisten."

In verschiedenen Ländern - etwa in Deutschland - gebe es Wiedergutmachungsinitiativen, aber nicht genug. Vom UNO-Menschenrechtsbüro in Genf heißt es: Leider habe man kein einziges Land finden können, das die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit vollständig anerkannt hat.

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