Bianca "Bibi" Claßen bei der Filmpremiere von "Smaragdgrün"
Bianca "Bibi" Claßen ist eine der bekanntesten Youtuberinnen Deutschlands. Bild © picture-alliance/dpa

Sogenannte "Influencer" werben im Internet geschickt für Produkte. Einfach so, ohne das zu kennzeichnen. 2020 soll in der Europäischen Union damit Schluss sein.

Es ist eine Stimme, die manchen Eltern die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Die Stimme von Bianca Heinicke. Mehr als fünf Millionen Abonnenten hat ihr Youtube-Kanal "Bibis Beauty Palace". Dort spricht Sie unter anderem über alles, was die heranwachsende junge Dame von heute in Sachen Schminken und Herausputzen so wissen muss. Ganz nebenbei werden die vermeintlich besten Produkte von Bibi hochgelobt. Und natürlich kann man diese Lippenstifte und jenes Makeup auch beim Video ganz einfach bestellen.

Kennzeichnungspflicht wie bei anderen Medien

Dass Bibi dadurch Geld verdient, und zwar kräftig, das erfährt die jugendliche Seherin in der Regel nicht. Noch nicht, betont die Vorsitzende des Kulturausschusses im Europaparlament Petra Kammerevert. "Bei Bibi ändert sich, wenn sie die neuesten Lippenstifte vorführt, dass zukünftig gekennzeichnet werden muss, ob beispielsweise irgendein Kosmetikkonzern dahintersteht", erklärt die SPD-Politikerin. Denn das Europaparlament will dafür sorgen, dass das, was im Fernsehen und im Radio schon selbstverständlich ist, auch endlich online ankommt.

Spätestens 2020 soll der teils rechtslose Raum bei Videoplattformen wie Youtube, Facebook und Co, vorbei sein. Auch für die sogenannten Influencer gilt dann: "Wo Werbung drin ist, muss auch Werbung draufstehen", sagt Kammerevert.

Abstimmung am Dienstag

Es ist ein hochkomplexes Regelwerk, über das die Europaabgeordneten am Dienstagmittag abstimmen und auf das sich deren Vertreter nach rund zweijähriger Verhandlung mit den Regierungen der 28 Mitgliedsstaaten geeinigt haben. Der Hintergedanke: Das, was an Regeln in Fernsehen und Radio gilt, soll künftig auch im Internet gelten. Als Rahmen, um ein Wildwest zu verhindern – zum Beispiel beim Kinderschutz.

Beim Fernsehen wurden jahrzehntelang gewaltreiche Filme erst nach 22 Uhr gesendet. Im Internet, bei Netflix oder Amazon, ist das so kaum machbar. Stattdessen soll es für Eltern künftig möglich sein, mittels einer Software bestimmte Inhalte für ihre Kinder zu sperren. Lückenlos ist das natürlich nicht, räumt die Christdemokratin Sabine Verheyen ein. "Wenn die Kinder den Code von der Sky-Box kennen, gucken die auch die Filme, die ab 18 sind", so die Kulturexpertin."Das ist auch die Verantwortung der Eltern, aber es ist immerhin eine Barriere. Die Kinder kommen nicht locker lässig gleich auf alles drauf."

Auch die Europa-Quote kommt

Doch Werbung und Kinderschutz sind nicht die einzigen Punkte, bei denen sich die Video-Plattformen auf 2020 werden umstellen müssen. Bei den Angeboten kommt eine Quote. Netflix und Co. müssen künftig 30 Prozent ihrer Inhalte mit europäischen Produktionen füllen.

Sendung: hr-iNFO, 02.10.208, 6.20 Uhr

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