Eine Frau kommt im Flüchtlingslager Masar aus einem Eingang, Afghanistan. ()

Jeder Dritte in Afghanistan weiß in diesem Moment nicht, wo er die nächste Mahlzeit herbekommen soll. Einer von ihnen ist Sheikh Taher. Er lebt mit seiner Familie unter der Erde, weil er sich das Holz für eine Hütte nicht leisten kann.

Steine, Staub und grauer Sand, soweit das Auge reicht. Und plötzlich: kleine beige Hügel. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass unter diesen Hügeln Behausungen sind. Dort leben Menschen, unter der Erde. Rund 100 Familien haben sich in dieser kargen Gegend, kurz hinter der Stadt Masar-e Scharif eingegraben, um überleben zu können.

Mehr würden sie sich nicht leisten können, sagt Sheikh Taher: "Wir haben Säcke mit Sand gefüllt, um daraus immerhin eine Art Wand zu bauen. Ich habe einfach kein Geld, um Holz zu kaufen und ein richtiges Häuschen zu bauen für meine Familie. Wenn hier mal Leute vorbeikommen, dann fragen sie uns, wie wir hier überhaupt überleben könnten, einige fangen sogar an zu weinen."

Sheikh Taher ist gerade einmal 30 Jahre alt und hat schon tiefe Falten im Gesicht. Auf den wenigen Quadratmetern unter der Erde lebt er mit seiner Frau Maryam, seiner Nichte und mit der kleinen Tochter Nergis. Maryam sitzt mit Schweiß auf der Stirn auf dem Boden und krümmt sich vor Schmerzen: "Ich bin krank, der Arzt sagt, ich habe Gelbsucht. Wir haben Medikamente gekauft, aber jetzt haben wir kein Geld mehr. Der Arzt sagt, ich darf nicht mehr zu ihm kommen, weil wir die Behandlung nicht zahlen können."

Die kleine Nergis ist fast zwei Jahre alt, sieht aber viel jünger aus: "Wir haben pro Tag gerade mal ein kleines Brot für unsere Kleine, das schneiden wir in Scheiben und legen es ins Wasser, um ihr daraus eine Suppe zu machen. Das ist alles, was wir ihr gerade geben können."

Das Wasser muss Familie Taher wie alle anderen hier kaufen. In dem unteriridische Flüchtlingslager gibt es nicht einmal eine Pumpe: "Wasser kommt von außerhalb in einem Container hierher. Die schütten das in dieses Loch, wo wir es sammeln. Wir müssen für das Wasser zahlen, aber wir können uns das kaum noch leisten, wir haben Schulden beim Wasserverkäufer."

Monatelang hat es hier nicht mehr geregnet. In vielen Region von Afghanistan haben die Menschen mit einer Dürre zu kämpfen. Noch mehr Angst aber hat Familie Taher vor dem nächsten Winter. Maryam hat Tränen in den Augen, als sie vom letzten erzählt: "Es hat so viel geschneit, ich habe versucht, mit bloßen Händen und einem Teller den Schnee von unserem Platikplanen-Dach runter zu schaufeln. Dann ist es doch eingebrochen. Ich war schwanger und habe unser Kind bei dem Sturz verloren."

Seit 1,5 Jahren leben die Tahers nun schon mitten in der Steinwüste. Sie mussten aus ihrem Dorf fliehen, weil sie mitten zwischen die Fronten geraten waren, die Taliban und die ehemalige Regierungsarmee hatten auch in ihrem Dorf gekämpft. Früher hatten sie ein kleines Haus, als Bauer hatte Sheik Taher immerhin genug verdienen können, um sich und seine Familie zu ernähren: "Wir bitten die Welt um Hilfe, damit wir noch eine Zukunft haben. Helft uns hier oder baut unser Dorf wieder auf. Wir sterben an Armut und Hunger. Selbst wenn wir wieder in unsere Heimat zurückkehren würden - dort steht kein Stein mehr auf dem anderen."

Jede und jeder Dritte in Afghanistan weiß in diesem Moment nicht, wo er oder sie die nächste Mahlzeit herbekommen soll. Die Vereinten Nationen haben alle Mitgliedstaaten aufgefordert, sich nun für die Menschen in Afghanistan „in ihrer dunkelsten Stunde“ der Not einzusetzen.

 

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