Einkaufen Adventszeit

Mit scheinbar unschlagbaren Rabatten locken Geschäfte und Onlinehändler ihre Kunden am Black Friday zur Schnäppchenjagd. Aber lohnt sich das Shoppen an diesem Tag tatsächlich?

Ende November wird der Goldrausch für Sparfüchse eingeläutet - so klingt es zumindest in der Werbung von Online-Anbietern und Geschäften. Seit Montag schon stürzen sich Online-Käuferinnen und -käufer auf die Angebote der Cyber-Monday-Week bei Amazon und ähnliche Aktionen. Es gipfelt im Kaufrausch-Höhepunkt an diesem Freitag: dem Black Friday. Doch kann an diesen Tagen wirklich so viel gespart werden?

"Es reicht zu sagen: 'Das ist billiger'"

Black Friday und Cyber Monday sind vor allem genau kalkulierte Verkaufsstrategien, meint Marketingexperte und Psychologe Hans-Georg Häusel. "Einige Artikel werden ganz massiv runtergesetzt, das sind die sogenannten Lockvögel. Ein Großteil der scheinbar rabattierten Artikel wird aber gar nicht runtergesetzt, sondern teilweise sogar noch hochgesetzt. Es reicht einfach aus, dass man sagt, das ist jetzt billiger und schon greifen die Leute zu."

Noch dazu orientieren sich die Rabatte von teilweise 70 bis 80 Prozent nur an der unverbindlichen Preisempfehlung der Produzenten - und die liegt meist weit über dem reellen Marktwert. Die eigentlichen Angebote kreisen im Durchschnitt bei 5 bis 15 Prozent. Laut einer Studie des ZDF waren im vergangenen Jahr 68 Prozent aller beobachteten Produkte nicht vom Black Friday betroffen, 14,5 Prozent wurden sogar teurer. "Zu glauben, dass jeder Artikel, den es am Black Friday gibt, ein besonderes Angebot wäre, ist völlig falsch", warnt Häusel.

"Unterm Strich macht der Handel dabei überhaupt kein schlechtes Geschäft, weil die gesamte Marge über alle Artikel in der Regel gleich bleibt. Das heißt also, da gibt es kein Zuzahl-Geschäft", erklärt der Konsumexperte. Wenn zufällig das ersehnte Produkt am Black Friday ein Lockvogel ist, ist das reine Glückssache.

Gründlich vergleichen

Noch nutzen solche Rabatt-Tage eher jüngere Menschen. "Wie immer bei solchen Bewegungen fängt es bei risikoorientierteren jüngeren Leuten an, die sowas aufnehmen, aber nach und nach frisst es sich in die Gesellschaft rein“, sagt der Psychologe. Im Laufe der Zeit wird das Zielpublikum auch durch die älteren Generationen ergänzt, denn die Schnäppchenfallen wirken nicht nur bei jungen Menschen. "Wenn den Menschen Schnäppchen präsentiert werden, wird das bewusste Denken, das reflektierte Denken ein Stück weit ausgeschaltet. Da sind alle in Gefahr."

Auch in den kommenden Jahren wird der Trend zu solchen Kauftagen weiter wachsen, prognostiziert Häusel. "Sowohl der Onlinehandel, aber auch der stationäre Handel sind dankbar, dass es jetzt so einen Massenanlass gibt, der die Leute ins Geschäft reinlockt." Die Devise lautet auch in Zukunft, sich nicht in die Irre führen zu lassen, bei geplanten Einkäufen gründlich zu vergleichen und vielleicht lieber vor oder nach dem Black Friday einzukaufen.

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Wissenswertes zum Black Friday

  • Schon zum 13. Mal findet dieser Shopping-Tag in Deutschland statt, immer am vierten Freitag des Novembers. Zum ersten Mal wurde er vom Tech-Giganten Apple veranstaltet, um den Absatz seines iPods zu steigern. In den Folgejahren gewann der Rabatt-Tag schnell an Bedeutung, berühmt gemacht hat ihn vor allem Amazon mit seiner Cyber-Monday-Week und einer entsprechenden Marketing-Offensive.
  • Der Trend kommt eigentlich aus den USA. Dort gilt der Freitag nach Thanksgiving als Startschuss für die Weihnachtseinkaufsaison.
  • Wo genau der Name herkommt, ist nicht ganz klar. Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle: 1) Die Menschenmassen auf den Straßen erscheinen aus der Ferne wie eine einzige schwarze Masse. 2) An diesem umsatzstarken Tag haben Händler die Chance, aus dem Minus herauszukommen - also schwarze statt rote Zahlen zu schreiben. 3) Die Händler haben an diesen Tagen schwarze Hände vom Geldzählen
  • Dass solche Rabatt-Aktionen so gut funktionieren, liege in unserer Natur, meint Konsumexperte Hans-Georg Häusel. "Wenn Sie jemandem Rabatt bieten und sagen, da gibt es einen besonderen Tag dafür, dann nehmen das die Leute sehr gerne mit, auch wenn sie überhaupt nicht wissen, was ein Black Friday war oder wo er herkommt."
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