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Während die dritte Pandemie-Welle unaufhaltsam weiterrollt, erreicht der Dax Rekordwerte. Auch für die nächsten Monate erwarten Börsenexperten, dass es weiter nach oben geht. Notenbanker schauen allerdings skeptisch auf die Entwicklung.

Die dritte Pandemie-Welle rollt unaufhaltsam weiter, neue Verschärfungen drohen, beim Impfen gibt es wie zuletzt mit AstraZeneca immer wieder niederschmetternde Rückschläge – und der deutsche Aktienmarkt schafft allein im März ein Plus von neun Prozent. Das war der stärkste Aufschlag in einem März seit elf Jahren. Insgesamt legte der Dax in den ersten drei Monaten um 9,3 Prozent zu, kletterte zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 15.000 Punkten – ein neuer Meilenstein.

Stetiger und gewaltiger Geldfluss

Der April lässt sich auch gut an, die Rekordjagd geht munter weiter. Denn die Börsen können sich auf eins verlassen – auf einen stetigen und gewaltigen Geldfluss: "Fakt ist, dass wir sehr viele Konjunkturprogramme haben", sagt Ökonom Volker Hellmeyer von Solvecon Invest. "Einmal das 1,9-Billionen US-Dollar-Programm, aber auch demnächst ein zusätzliches Infrastrukturprogramm, und darüber hinaus in ganz vielen Ländern auch in Europa das 750-Milliarden Euro-Programm, die zusätzlich zum normalen Grundrauschen der Weltwirtschaft für Wachstum sorgen werden."

Weltweites Wachstum – das ist das Zauberwort. Die im Dax gelisteten Konzerne profitieren enorm von der Erholung in China und von den guten Aussichten in den USA. Da spielt die aktuelle Schwäche der deutschen Wirtschaft eher eine untergeordnete Rolle. Aber auch hierzulande dürfte die Konjunktur ab der zweiten Jahreshälfte wieder anspringen, sobald die Impfprogramme wirklich greifen und nachhaltig gelockert wird. Die Verbraucher dürften kräftig mithelfen. Verhinderte Reisen und Restaurantbesuche haben dazu geführt, dass die Deutschen 2020 110 Milliarden Euro mehr auf die hohe Kante gelegt haben als noch im Jahr 2019. Das könnte dem Dax weiteren Schwung geben, glaubt Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank: "Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer den Jahreshöchststand erreichen werden, und der könnte so bei 15.400, 15.500 Punkten liegen. Heißt, wir haben durchaus noch ein Stück Wegstrecke vor uns."

Ein schwer zu zähmender Tiger

Doch Achtung, kein Aufstieg ohne Atempause. Denn die Luft da oben ist schon ziemlich dünn, warnt Ökonom Volker Hellmeyer: "Jeder Investor muss sich auf diesem Niveau eben auch bewusst sein, wenn er hier einsteigt, dass er zu historischen Höchstkursen einsteigt, dass es jederzeit zu Korrekturen kommen kann. Jeder, der hier einsteigt, muss sich dieses Risikos von technischen Korrekturen bewusst sein."

Korrekturen ja, die Richtung stimmt aber, weil die Börse auf ein Ende der Pandemie und auf ein kräftiges Wachstum setzt – so das Fazit der Börsenexperten. Ganz anders schauen Notenbanker auf die extremen Kursgewinne an den Aktienmärkten. Denn sie sehen auch die steigende Inflation. Ein Tiger, der schwer zu zähmen ist, warnte der Chef der britischen Notenbank Andy Haldane kürzlich. Dann müssten die Notenbanken auf die Bremse drücken und die Geldflut stoppen. Und dann könnte die Luft an den Aktienmärkten wirklich dünn werden.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 1.4.2021, 12 bis 15 Uhr

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