Boris Palmer
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) Bild © picture-alliance/dpa

Der Tübinger Oberbürgermeister hat eine breite Debatte im Netz ausgelöst, weil er die Deutsche Bahn für die Auswahl von Werbeträgern kritisiert hat - die allesamt einen Migrationshintergrund haben. Es ist nicht das erste Mal, dass Boris Palmer mit seinen Äußerungen aneckt.

Stein des Anstoßes: Ein Foto auf der Startseite der Bahn. Darauf zu sehen sind sechs Menschen, die Bahn fahren und dabei Kaffee trinken oder einen Film schauen. Unter anderem der Koch Nelson Müller, der in Ghana geboren ist, die Moderatorin Nazan Eckes, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland eingewandert sind, und Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg, der sowohl die deutsche als auch die finnische Staatsbürgerschaft besitzt.

Auf seiner Facebook-Seite schrieb Palmer dazu, er finde es "nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat" und fragte, welche Gesellschaft das abbilden solle. Unter seinem Post erhielt Palmer viele Reaktionen, sowohl Zustimmung als auch Kritik.

Ein Screenshot eines Facebook-Posts von Boris Palmer zur Kampagne der Deutschen Bahn
Bild © Screenshots: Facebook/Boris Palmer, Deutsche Bahn

Deutsche Bahn reagiert auf Twitter

Die Bahn reagierte wenige Stunden später per Tweet auf den Vorwurf: "Herr Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab. Nico Rosberg, Nazan Eckes und Nelson Müller sind positive und repräsentative Identifikationsfiguren. Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten". Auch dieser Tweet hat mittlerweile mehrere Tausend Retweets und Kommentare.

Herr #Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab. Nico Rosberg, Nazan Eckes und Nelson Müller sind positive und repräsentative Identifikationsfiguren. Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

[zum Tweet mit Bild]

Boris Palmer legt nach

Boris Palmer reagierte indes mit zwei weiteren Facebook-Posts, in denen er die Intention hinter seiner Ursprungs-Aussage zu erklären versuchte. Er stellte klar, dass er "kein Problem mit einer offenen und bunten Gesellschaft" habe und dass es ihm lediglich um die Auswahlkriterien der Fotos ging. "Ich frage mich einfach, warum Menschen ohne erkennbaren Migrationshintergrund auf der Seite der Deutschen Bahn nur noch als Minderheit dargestellt werden". Man könne das als "umgekehrten Rassismus" ansehen. "Nehmen wir einfach mal an, die Deutsche Bahn würde auf der Startseite fünf Bilder mit sechs Menschen zeigen, die allesamt weiß und in der Mehrheit männlich wären. Würde es dann nicht ganz automatisch eine Diskussion über Rassismus und Machos bei der Bahn geben?"

Diversity sei, wenn ein Teil der sechs Testimonials einen Migrationshintergrund gehabt hätten. "Wenn aber gar kein Mensch ohne Migrationshintergrund mehr vorkommt, sollte man zumindest mal in Ruhe darüber diskutieren, ob das angemessen und beabsichtigt ist", schreibt Palmer auf Facebook.

Kritik und Zustimmung auch auf Twitter

Auch auf Twitter gab es diverse Reaktionen auf Palmers Diskussionsanstoß. Nico Rosberg etwa kritisierte den Tübinger OB: Palmer wolle spalten und Menschen ausgrenzen. Als Sohn eines Finnen und einer Deutschen liege Völkervielfalt in seinen Genen, so Rosberg. Er sei stolz, Teil der Kampagne zu sein. SPD-Vize Ralf Stegner wunderte sich über "das unverhohlene Ressentiment" hinter dem Post und der nordrhein-westfälische Grünen-Politiker Ali Baş war der Meinung, für Palmer sei es Zeit "den Hut zu nehmen". Der stellvertretende Bild-Chefredakteur Nikolaus Blome hingegen verteidigte Boris Palmer und sagte, er sei zwar eine "eitle Krawallnudel aber kein Rassist".

Herr Palmer, Sie wollen spalten & Menschen ausgrenzen. Nicht mit mir. Ich bin Sohn eines Finnen und einer Deutschen. Völkervielfalt liegt in meinen Genen. Ich bin stolz, Teil dieser Kampagne zu sein & bedanke mich bei DB, dass sie diese so umgesetzt hat. #noracism #diebahn #proud https://t.co/FxgJYUsJBM

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Man fragt sich, worüber man sich mehr wundern soll bei der Kritik des grünen Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer an der Werbekampagne der Deutschen Bahn: Über die außergewöhnliche Dummheit der Bemerkung oder das unverhohlene Ressentiment, das dahinter sichtbar wird?!🤔

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In der Gesellschaftsvision von Boris Palmer möchte ich nicht leben. Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr #Palmer ! https://t.co/BWKn9bCckr

[zum Tweet]

Zur Bahn-Werbung: Boris #Palmer ist eine eitle Krawallnudel aber kein Rassist. Und die Deutschen haben nicht zu 80 Prozent Migrationshintergrund. Können wir uns darauf einigen? @BILD @DB_Presse https://t.co/7SmiJ88RAC

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Eigentlich mag ich die Grünen, aber man muss sich schon fragen, was das für ein Verein ist, der Volker Beck nicht mehr wollte aber Boris Palmer immer noch behält.

[zum Tweet]

Es ist nicht das erste Mal, dass der Tübinger OB mit seiner politischen Haltung aneckt. Partei-intern ist er wegen diverser Aussagen zu Flüchtlingen durchaus umstritten. Im Tübinger Gemeinderat wurde deshalb sogar im Juli 2018 eine Resolution verabschiedet, in der es heißt: "Oberbürgermeister Boris Palmer spricht in keiner Weise für die Stadt, wenn er Menschen anderer Hautfarbe unter Generalverdacht stellt oder wenn er aus äußerlichen Merkmalen, dem Sozialverhalten oder dem Kleidungsstil Rückschlüsse auf Herkunft und Status von Menschen zieht". Der Gemeinderat forderte den OB unter anderem dazu auf, sich für seine Äußerungen zu entschuldigen – das lehnte er aber ab.

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