CO2
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Wie kann sich die Welt dem Klimawandel entgegenstellen? Würde ein Preisschild für CO2 wirklich etwas bringen?

Ulf Moslener ist Klima-Ökonom und Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Für ihn steht fest, "dass wir auf jeden Fall einen Preis auf CO2-Emissionen brauchen. Damit derjenige, der CO2-Emissionen verursacht, mitberücksichtigt, dass das auch Schaden anrichtet." Eine Steuer auf CO2 – das heißt: Wer fossile Energien, Kohle, Öl, Gas, Benzin, verbrennt, zahlt dafür, dass er CO2 in die Atmosphäre entlässt – und damit den menschgemachten Klimawandel anheizt.

CO2-Steuer notwendig

Christoph Bals ist Vorsitzender der deutschen Nichtregierungsorganisation (NGO) Germanwatch, die sich seit vielen Jahren politisch für Klimaschutz einsetzt: "Wir werden diese Debatte in Deutschland massiv führen. Es ist allen, die daran beteiligt sind klar, dass auch die Klimaziele, die für 2030 vereinbart werden sollen, nicht ohne einen zusätzlichen CO2-Preis erreichbar sind."

So wie Ulf Moslener und Christoph Bals fordern inzwischen viele Klimaschützer und Ökonomen die Einführung einer CO2-Steuer. Aber auch viele Unternehmens-Vertreter machen sich dafür stark – darunter Konzern-Größen wie Eon-Chef Johannes Teyssen. In Deutschland gibt es eine solche gezielte Kohlendioxid-Steuer bisher nicht. Zwar ist Deutschland wie die europäischen Nachbarn Teil des europäischen Emissionshandels-Systems, das ähnlich wie eine CO2-Steuer wirken soll, das aber bisher eher schlecht bis mäßig funktionierte. Großbritannien dagegen hat 2013 zusätzlich zum europäischen Emissionshandelssystem einen CO2-Mindestpreis eingeführt. Laut Bals hat dieser zu einer sehr starken schnellen Absenkung der CO2-Emissionen und zu einer Verlagerung von Kohle auf erneuerbare Energien und - wo das noch nicht direkt möglich war - auf Gas geführt. "Da sieht man, wie schnell so ein Preis auch wirken kann. Das hat Hoffnung gemacht."

Auch andere Länder oder Bundesstaaten haben CO2-Steuern eingeführt, etwa die Schweiz oder die kanadische Provinz British Columbia. Wichtig sei dabei, was mit dem eingenommenen Geld passiere. Da sind sich Klimaökonom Moslener und Germanwatch-Chef Bals einig. Frankreich, sagt Bals, zeige aktuell gerade, wie man es nicht machen dürfe. Dort protestieren die Pendler aus Frust über die stark gestiegenen Benzinpreis in Massen gegen die Regierung. Jetzt bessert Präsident Emanuel Macron nach, um die Pendler zu schützen. Die meisten Ökonomen plädieren dafür, die Einnahmen aus einer CO2-Steuer auf dem einen oder anderen Weg an die Bürger zurückzuerstatten – am besten so, dass vor allem ärmere Haushalte nicht zusätzlich belastet werden. Aber wäre eine CO2-Steuer für Unternehmen nicht ein großer Nachteil im internationalen Wettbewerb? "Nein", sagt Moslener. "Auch die ambitionierte Umweltpolitik Deutschlands in der Vergangenheit hat dazu geführt, dass die Industrie vergleichsweise energieeffizient geworden ist. Man hat an sich auch ein hohes Innovationspotential, was durch solche Steuern mobilisiert wird. Das kann einer deutschen Wirtschaft nur helfen."

Contra höhere CO2-Preise

Trotzdem gibt es in Deutschland eine starke Lobby gegen höhere CO2-Preise. Die Autoindustrie gehört dazu und Unternehmen, die in der Produktion besonders viel Energie verbrauchen, so Moslener: "Der nächste Schritt ist dann anzugucken, welche Sektoren habe ich überhaupt, die eng im internationalen Wettbewerb bestehen müssen? Und welche davon sind tatsächlich CO2-intensiv? Dann wird man sehen, dass das sehr kleine Teile der deutschen Wirtschaft sind."

Ideal wäre natürlich, wenn alle Länder der Erde mitmachen würden und sich auf einen einheitlichen CO2-Preis einigen würden. Doch das wird nicht passieren, sagt der Germanwatch-Vorsitzende Bals. Also müssten einzelne vorpreschen. "In Verhandlungsprozessen auf UN-Ebene ist vollkommen klar, dass es keine Einigung dazu geben kann. Das kann man weder mit den USA noch mit Saudi-Arabien vernünftig verhandeln. Das heißt, wer sagt, alle sollen mitmachen in einem globalen Abkommen, der meint eigentlich, ich will keinen CO2-Preis."

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Waldbrände in Kalifornien, Überschwemmungen in Asien, ein außergewöhnlich heißer und trockener Sommer in Deutschland: Das Klima ist längst kein Nischenthema mehr. Entsprechend groß dürfte das Interesse an den Ergebnissen des Weltklimagipfels im polnischen Katowice sein, der am 3. Dezember beginnt. Wir schauen konstruktiv auf das Thema: Was kann getan werden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken? Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.

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Sendung: hr-iNFO, 30.11.2018, 8:50 Uhr

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