Tennis-Fans erfrischen sich beim Wimbledon-Turnier mit zuckerhaltigen Getränken.

In Großbritannien werden besonders zuckerhaltige Getränke seit diesem Jahr extra besteuert. In Deutschland wird zumindest darüber debattiert, ob sich der Staat in die Ernährung der Bürger einmischen sollte.

Großbritannien ging der hohe Zuckerkonsum zu weit. Anfang des Jahres führte die Regierung deshalb die Zuckersteuer ein. Seitdem müssen Unternehmen wie Coca Cola oder Nestle für Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker pro Liter draufzahlen.

Klöckner ist "keine Fetischistin"

Die Debatte schwappte auch nach Deutschland über: Darf sich der Staat in die Ernährung der Bürger einmischen? „Nein“, sagt Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU): "Ich bin keine Fetischistin, Gesetze zu machen, um der Gesetze Willen. Wir werden den Bürgerinnen und Bürgern nicht vorschreiben können, was sie zu essen und zu trinken haben. Das ist nicht meine Vorstellung von Gesellschaft."

Ähnliche Töne kommen auch aus Teilen der Opposition. FDP und AfD lehnen einen staatlichen Eingriff in die Ernährung ebenfalls ab. Anders sieht das die Organisation Foodwatch. Zucker mache süchtig und das würde von der Getränkeindustrie schamlos ausgenutzt. "Frau Klöckner macht keine Verbraucherpolitik, Frau Klöckner macht Wirtschaftspolitik“, schimpft Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Die Unterhemen hätten ein ökonomisches Interesse daran, eher ungesunde Produkte zu verkaufen, weil sie damit einen höheren Gewinn erzielen könnten. "Deshalb muss von der Regierung gegengesteuert werden", fordert Rücker. In Großbritannien habe es mit Einführung der Herstellerabgabe "schlagartig" ein anderes Marktangebot gegeben. "Ein Produkt wie Fanta hat dort nur halb so viel Zucker wie die Fanta in Deutschland."

"Kinder schützen, nicht Konzerne"

Ähnlich sehen das die Linken und Grünen im Bundestag: Freiwillig würden die Deutschen nicht weniger Zucker konsumieren. Der Staat müsse eingreifen. "Weil wir dreißig Milliarden Euro jedes Jahr an Gesundheits- und Sozialkosten ausgeben wegen der Ernährung durch zu viel Zucker. Wir müssen einfach nur irgendwo  hingehen, wo Kinder mit massivem Übergewicht sind und uns angucken, wie deren Lebenschancen versaut werden. Wir haben verdammt noch mal die Verpflichtung: Unsere Aufgabe ist Kinder schützen, nicht Konzerne", so Grünen-Politikerin Renate Künast.

Einige Politiker gehen sogar noch weiter: Sie fordern nicht nur eine Steuer auf stark zuckerhaltige Lebensmittel, sondern auch eine geringere Steuer auf Obst und Gemüse. So würde man besonders Menschen mit einem geringeren Einkommen erreichen. Sie sind viermal so häufig von Krankheiten wie Diabetes betroffen.

Sendung: hr-iNFO, 18.01.2019, 10 Uhr

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