Lebensmittel im Müll
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Bild © picture-alliance/dpa

Ernährungsministerin Julia Klöckner hat der Verschwendung von Lebensmitteln den Kampf angesagt. Ihre Strategie sieht vor, Wirtschaft und Verbraucher stärker einzubeziehen.

Brot, Obst, Joghurt, Gemüse: Immer wieder landen Lebensmittel im Müll. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums werden pro Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – etwa zwei Drittel davon in privaten Haushalten.  Aber auch in der Industrie, im Handel und der Gastronomie fällt tonnenweise Müll an.

Mit einer Nationalstrategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung will Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) gegensteuern. Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft sollen dazu in sogenannten Dialogforen gemeinsam Maßnahmen erarbeiten.

WWF begrüßt nationale Strategie

Tanja Dräger de Teran ist Referentin für Ernährung bei der Umweltorganisation WWF. Auch dieser ist an einem Dialogforum beteiligt. "Wir haben jahrelang darum gekämpft, dass es eine nationale Strategie gibt", sagt Dräger de Teran und begrüßt,"dass es nun mehr verbindliche Reduktionsziele für die einzelnen Branchen geben soll."

Bis 2030 will die Bundesregierung die Lebensmittelverschwendung halbieren. Damit soll auch eines der UN-Nachhaltigkeitsziele umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund, dass weltweit 800 Millionen Menschen hungerten und die Lebensmittelherstellung wertvolle Ressourcen verbrauche, könne Lebensmittelverschwendung nicht hingenommen werden, heißt es in dem Strategiepapier.

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Julia Klöckner im ARD-Morgenmagazin

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Kritik von den Grünen

Die stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gitta Connemann, erklärte, die Strategie sei ein weiterer Meilenstein in der Wertschätzung von Lebensmitteln. Die Grünen fordern, ähnlich wie der WWF, die Bundesregierung müsse verbindliche Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung auf den Weg bringen. Das Vorhaben der Ernährungsministerin geht ihnen nicht weit genug.

Die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen, Renate Künast, vermisst ein ganzheitliches Konzept. Sie kritisiert auch den Handel, der "bis eine Sekunde vor Ladenschluss" vollste Obst- und Gemüseregale haben müsse. Dräger de Teran vom WWF setzt zunächst auf freiwillige Vereinbarungen. Erst einmal müssten Daten zur Lebensmittelverschwendung in den Branchen überhaupt erfasst werden. Es gebe bereits zahlreiche Initiativen zur Abfallvermeidung. Sie hofft, mit den Vorreitern die gesamte Branche zu bewegen.

Die EU macht Druck

Viel Zeit hat die Bunderegierung allerdings nicht. Das liegt auch an der EU-Abfallgesetzgebung. Die besagt, dass die EU-Länder konkret etwas gegen Lebensmittelverschwendung unternehmen und über die Fortschritte Bericht erstatten müssen.

Sendung: hr-iNFO, 20.2.2019, 12:10 Uhr

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