Fabrizio Serafini auf seinem Cannabis-Feld
Fabrizio Serafini zeigt seine Cannabis-Pflanzen. Bild © hr

In Italien floriert der Handel mit Cannabis. Dank einer Gesetzesänderung ist der Anbau von Pflanzen mit niedrigem THC-Gehalt generell erlaubt. Bald könnte sich das allerdings wieder ändern.

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Fabrizio steht auf seinem Cannabis-Feld

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Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft. Soweit man blicken kann, wiegen sich meterhohe Cannabispflanzen im sanften Wind – und das alles in einem Bergtal in den Abruzzen, in der Nähe des Dorfes Collecorvino. Fabrizio Serafini, der Cannabis-Bauer, verschwindet für einen kurzen Moment zwischen den Pflanzen und zeigt auf ein besonders schönes Exemplar: "Hier, an dieser Stelle des Feldes, steht eine Cannabis-Art, die Finola heißt. Der größte Teil des Feldes ist mit der Art Silvana bepflanzt, eine Art die zertifiziert und legal ist", sagt er.

Entspannend und schlaffördernd

Seit einer Gesetzesänderung 2016 dürfen Landwirte in Italien Cannabis anbauen, wenn der THC-Gehalt höchstens 0,2 Prozent beträgt. THC ist der Stoff in der Pflanze, der berauscht. In seinem legalen Cannabis gebe es zwar kaum THC, aber dafür viele andere Stoffe, die entspannend und schlaffördernd wirken, erklärt Serafini. Inwieweit es legal ist, diese legalen Cannabis-Sorten zu rauchen oder zu Konsumzwecken zu verkaufen, das ist nicht ganz so eindeutig. Aber toleriert wird es in Italien, jedenfalls momentan: Immer mehr Shops in ganz Italien bieten Cannabis an, in kleinen bunten Tütchen oder auch als Cannabis-Kekse.

Auf dem Feld prüft Serafini gerade, ob die Bewässerungsanlage funktioniert. Eigentlich ist er studierter Jurist, in diesem Jahr versucht er sich zum ersten Mal als Cannabis-Bauer, bewirtschaftet den Boden seiner Großeltern. "Zum einen, weil man so versteht, wie schwer die Arbeit auf dem Feld ist. Wir merken das oft nicht, wenn wir zum Einkaufen in den Supermarkt gehen. Zum anderen, weil auch ich für eine Legalisierung von Cannabis bin. Und außerdem ist es eine Verdienstmöglichkeit", so Serafini.

Polizei war erstmal überfordert

Er hat sich Geld von der Bank geliehen, hat rund 10.000 Euro investiert, hat stundenlang in der glühenden Hitze auf dem Feld geschuftet – und er hat einiges an Lehrgeld bezahlt. Aber inzwischen läuft alles, die rund 20.000 Pflanzen sind teilweise bis zu vier Meter hoch, die Blüten glitzern voller Harz. In wenigen Wochen kann er ernten, dann müssen die Blüten trocknen und können weiterverarbeitet werden. Serafini verkauft sie dann an einen Großhändler.

So ein Cannabisfeld fällt natürlich auf, sagt er mit einem Grinsen. Serafini hat den Anbau der Polizei im Ort gemeldet. Die war erst etwas überfordert, dann aber verständnisvoll, sagt er. Die legalen Pflanzen sehen genau so aus wie die illegalen – und riechen auch genauso. Wer den THC-Gehalt prüfen will, muss ins Labor. Ein paar illegale Pflanzen mit höherem THC-Gehalt unter die legalen zu mischen, wäre also prinzipiell kein Problem. Aber ziemlich dumm. "Wenn ich drei illegale Pflanzen in diesem Feld aufziehen würde und ich kontrolliert werden würde, dann hätte ich automatisch eine Anzeige am Hals, mein Feld würde komplett vernichtet werden", so Serafini.

Fabrizio Serafini bestellt sein Cannabis-Feld
Malerisch: Fabrizio Serafini bestellt sein Cannabis-Feld. Bild © hr

Harmlos oder Einstiegsdroge?

Der Jurist ist nur einer von etwa 2.000 Cannabisbauern in Italien, sagt Luca Marola. Er hat im norditalienischen Parma „Easyjoint“ gegründet, eine Firma, die legales Cannabis verkauft und nach eigenen Angaben etwa 70 Prozent Marktanteil hat. Aber eigentlich gehe es ihm nicht um das Geld, sagt Marola. Er kämpft schon seit Jahren für die Legalisierung von Cannabis – egal mit welchem THC-Gehalt. "Das Phänomen Cannabis Light unterstützt die Legalisierung, weil es den Konsum von Cannabis und die Blüte an sich normal macht. Dass es normal und zu einem Trend wird, ist die erste Phase, um die Pflanze, die die wenigsten wirklich kennen, zu enttabuisieren."

Die rechte Partei Lega, die der aktuellen Regierung angehört, hält legales Cannabis für nicht so harmlos, sondern für eine Art Einstiegsdroge. Sie will die Shops schließen lassen, die Gesetze ändern. Wann und ob das wirklich passiert, ist noch nicht klar. Cannabis-Bauer  Serafini hofft, dass es nicht so weit kommt. Oder wenigstens erst, nachdem die Ernte von diesem Jahr eingebracht ist. Sonst, sagt er, wäre die ganze Arbeit umsonst. Und er ruiniert.

Sendung: hr-iNFO, 28.08.2018, 6 Uhr

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