Neue Wege in der Medizin – Was taugen Blutegel, Cannabis & Co.?

Cannabidiol ist ein Teil der Hanfblüte und erobert gerade Hessens Ladentheken. Es macht zwar nicht high, soll aber bei Schmerzen, Schlafproblemen und Epilsepsie helfen. Wer es verkauft, bewegt sich jedoch in einer rechtlichen Grauzone.

Der CBD-Shop in Offenbach. An den weißen Wänden hängen dunkle Regale, darauf stehen kleine Fläschchen mit Öl, Beutel mit Badesalz oder Päckchen mit Handseife. Sie alle enthalten CBD, also Cannabidiol. Auf dem Holztresen stehen Glasgefäße – und darin liegt das, weswegen die meisten Kunden hierher kommen: Hanfblüten.

Weitere Informationen

Cannabidiol (CBD) ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus dem weiblichen Hanf (Cannabis). Es soll u.a. entspannend und entzündungshemmend wirken.

Ende der weiteren Informationen

Ein 40-jähriger Kunde, der seinen Namen nicht verraten will, erzählt, dass er ein künstliches Hüftgelenk und Probleme mit der Wirbelsäule habe: "Ich bin tatsächlich Schmerzpatient und hab schon viel ausprobiert. Ich hab schon immer gemerkt, dass THC-haltiges Gras mir die Schmerzen nicht nimmt, aber diese Grundentspannung hilft einem schon. Weil das, was an Schmerzen eklig ist, sind diese negativen Konnotationen wie Stress, Anspannung, Adrenalin und so."

Patienten oft verzweifelt

Genau das könne er auch mit CBD-haltigem Gras stillen, also ohne THC. Deshalb kaufe er hier ein und behandle sich selbst. Andere Kunden berichten ähnliches: Eine Frau kauft für eine Freundin ein, die an Krebs erkrankt ist. Eine andere behandelt so ihre Schlafstörungen.

Keine Einzelfälle, weiß die Apothekerin Annette Heinz: "Die Patienten sind oft total verzweifelt, lange therapiert und dankbar, wenn sie endlich etwas finden, das hilft." In der Frankfurter Bock-Apotheke verkauft sie Patienten deshalb CBD als Arzneimittel. Der CBD-Gehalt ist darin deutlich höher als in den Produkten der CBD-Shops.

CBD ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid. Das heißt: Im Gegensatz zum bekannteren THC macht es nicht high. Es wird eingesetzt bei Ängsten, Unruhe und Schlafstörungen - "aber auch vor allem bei Kindern, die unter Epilepsie leiden", sagt Apothekerin Heinz.

Rechtliche Grauzone

CBD darf frei verkauft werden, wenn es nicht als Arzneimittel verkauft wird, sondern zum Beispiel als Kosmetik – so wie die CBD-Öle oder Badesalze. Die Hanfblüten dagegen können Ärger machen, sagt CBD-Shop-Betreiber Marek Dörzenbach: In seinem Laden in Mannheim habe die Polizei mehrfach alles beschlagnahmt. In seinem Shop in Offenbach ist das zwar noch nicht passiert, dennoch fühlt er sich verunsichert und unfair behandelt. "Es gibt Shops in Berlin, die laufen ohne Probleme. Dann gibt’s Shops wie bei mir, in Trier, die werden dann zugemacht."

Deshalb empfiehlt auch der Deutsche Hanfverband, Hanfblüten nicht im Laden zu verkaufen. Denn zurzeit werde vielerorts das Betäubungsmittelgesetz wieder sehr streng ausgelegt. Der Handel mit den Blüten wird damit zum Risiko – egal, ob sie THC enthalten oder nur CBD. Das Ganze werde juristisch geprüft, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Bis zur endgültigen Klärung handeln CBD-Shops also in einer Grauzone.

"Industrie will auf den Hype aufspringen"

Den Kunden ist all das auf Nachfrage entweder nicht bewusst oder egal. Apothekerin Annette Heinz findet die Situation dagegen unbefriedigend: "Weil eigentlich ist es ja ein Arzneimittel, das eine Wirkung hat und schwerstkranken Patienten hilft. Aber die Industrie möchte gern auf diesen Hype aufspringen und möchte damit Geld verdienen. Ich finde, das verwischt die Grenzen zu einem Arzneimittel und das ist nicht sinnvoll."

Genau wie CBD-Shop-Betreiber Marek Dörzenbach hofft sie, dass möglichst bald geklärt wird, wie CBD juristisch eingestuft wird. Wann das passiert, ist aber offen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 8.8.2019, 9 bis 12 Uhr

Jetzt im Programm