Ein Wähler bei der Stimmabgabe
Die CDU holt ihre Stimmen vor allem bei den über 60-Jährigen. Bild © picture-alliance/dpa

Bei der Europawahl haben die Christdemokraten ordentlich Stimmen eingebüßt. Frappierend war vor allem das Abschneiden bei Erst- und Jungwählern. Das ist mehr als ein bloßes Kommunikationsproblem.

Diana Kinnert ist 28 Jahre alt, mit 18 war sie CDU-Mitglied geworden. In der ZDF-Sendung "Maybritt Illner" sagte sie deutlich, was sie vom Wahlergebnis hält: "Wir haben eine Wahlschlappe erlitten. Wir konnten als Volkspartei nicht in eine junge Generation hinein binden."

Nur noch elf Prozent der Erstwähler hatten CDU gewählt, dagegen 36 Prozent die Grünen. Das Video des Youtubers Rezo hatte die CDU kalt erwischt. Darin klagte er einige Tage vor der Wahl vor allem die aus seiner Sicht gescheiterte Klimaschutzpolitik von CDU, CSU und der SPD an.

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Klimaschutz war das zentrale Thema

Schon vor Rezos Video gab es weltweite Schülerstreiks gegen die Klimapolitik. Hessens CDU-Chef und Ministerpräsident Volker Bouffier klagte über den Wahlkampf: "Ein einziges Thema: Und das ist Klimaschutz. Die Themen, die mit uns verbunden werden, haben gar keine Konjunktur."

Klimaschutz: DAS Thema der jungen Wähler. Dass die Union vor allem bei der Zielgruppe von Youtubern wie Rezo, den ganz Jungen, verloren hatte, das las man in den Wahlanalysen nach der Europawahl. Die CDU schien darin aber vor allem ein "Kommunikationsproblem" zu sehen, das man wieder geraderücken könnte, indem man zum Beispiel "wieder cooler" wird für junge Leute, wie es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gemeint hatte.

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Mehr als ein Kommunikationsproblem

Jung-CDUlerin Kinnert sieht das anders. "Wir haben nicht nur ein Image- und Kommunikationsproblem, sondern unsere Politik-Konzepte wurden einfach nicht angenommen. Und deswegen müssen wir uns einer inhaltlichen Erneuerung oder einer anderen Priorisierung stellen."

Ja, es war auch ein Kommunikationsproblem der Union, meint Carla Reemtma, die die Fridays-for-Future-Demonstrationen in Münster organisiert, aber: "Was dazu kommt, ist, dass die Parteien es anscheinend nicht schaffen, die Themen, die insbesondere junge Menschen beschäftigen, aufzugreifen."

Die Langzeitwirkung des Upload-Filters

Das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder liegt seit einigen Jahren konstant bei 60 Jahren. Bei den über 60-Jährigen bekam die Union auch noch 39 Prozent der Stimmen. Wenn man aber als Jungwähler aus Wut über Upload-Filter oder die Klimapolitik beim ersten Mal grün gewählt hat, oder eine andere Partei, sei man nicht so leicht zur CDU oder SPD zu holen. Es bildeten sich Gewohnheiten aus, ob man wählt und wen man wählt, meint  der Wahlforscher Thorsten Faas: "Die Frage des Uploadfilters mag in ein paar Wochen oder Monaten vergessen sein, aber die Frage, was das politisch für Prägungen hinterlassen hat, die geht über das konkrete Thema hinaus."

Und gerade die Volksparteien haben schon länger große Schwierigkeiten, jüngere Wähler zu gewinnen, meint Wahlforscher Roberto Heinrich von Infratest Dimap: "Innerhalb einer Legislaturperiode gehen viele Wähler verloren, versterben, und jüngere Wähler können nicht im gleichen Ausmaß angesprochen werden." Zehn Prozent aller CDU-Mitglieder waren Ende 2017 über 80 Jahre alt, nur rund halb so viele unter 30.

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