ÖPNV

Viele Menschen meiden in der Pandemie Busse und Bahnen, weil sie Angst haben, sich mit Corona anzustecken. Auch die Politik sieht die Gefahr und hat medizinische Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Pflicht gemacht. Studien liefern dafür allerdings keine Hinweise.

Fünf Wochen lang haben Forscher der Berliner Charité Pendler im Rhein-Main-Gebiet beobachtet. Die eine Hälfte der insgesamt 680 Probanden war mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, die andere mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Beide Gruppen wurden regelmäßig auf Corona-Infektionen getestet.

Das Ergebnis: In beiden Gruppen gab es im untersuchten Zeitraum ähnliche Infektionszahlen. Bei den Pendlern mit alternativen Transportmethoden 14, bei den Reisenden mit ÖPNV sogar zwei weniger. Die Forscher folgern daraus, dass es im ÖPNV kein erhöhtes Ansteckungsrisiko im Vergleich zu anderen Lebensbereichen gibt. Unterstützt wird dieser Schluss auch von anderen Untersuchungen, etwa aus Österreich oder Japan, bekannt für seine übervollen U-Bahnen. Auch diese Untersuchungen zeigten keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Masken, Lüften, nicht viel bewegen

Als Erklärung für dieses für viele sicherlich überraschende Ergebnis führen die Forscher die Hygienevorschriften ins Feld: Vor allem die Maskenpflicht zeige Wirkung. Aber auch Klimaanlagen und regelmäßiges Lüften spiele eine Rolle. So zeigen Versuche in der Londoner U-Bahn oder den Berliner Verkehrsbetrieben, dass die Aerosole in der Luft um bis zu 80 Prozent zurückgehen, wenn an Haltestellen alle Türen geöffnet werden.

Und: Anders als etwa beim Einkaufen, wo man sich durch den Laden bewegt, sitzt oder steht man bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln überwiegend an einer Stelle. Dadurch sinkt die Gefahr der Infektion, selbst wenn unter den Fahrgästen jemand Corona-positiv ist.

Ganz ähnlich fallen übrigens auch Untersuchungen zu Zügen aus: Eine weitere Studie der Charité in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn zeigte, dass Zugbegleiter nicht häufiger an Corona erkranken als Mitarbeiter ohne Kundenkontakt. Und auch der Verband deutscher Verkehrsunternehmen hat die Infektionen von insgesamt 80.000 Mitarbeitern im Verkehrssektor untersucht, auch hier mit dem Ergebnis, dass diese durch ihre Arbeit nicht häufiger erkrankten als andere Menschen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.5.2021, 12 bis 15 Uhr

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