Mehrere Windräder auf Hügeln in China
China investiert rund 100 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien. Bild © picture-alliance/dpa

China tut viel, um grüne und emissionsärmere Energie voranzutreiben. Die zwei Hauptgründe dafür sind wirtschaftliches Eigeninteresse und der Versuch, die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Noch ist China allerdings der größte Kohle-Verbrenner der Welt.

In China entstehen mehr Solarkraftwerke als im Rest der Welt. Auch Windkraft ist stark im Kommen und der komplette Norden des Landes wurde dazu verdonnert, mit Gas zu heizen statt mit Kohle. China tut viel, um grüne und emissionsärmere Energie voranzutreiben. Doch wie schnell kann China seine Klimaziele erreichen? Wird das Land führend bei der Technik für grüne Energie?

Ein neues Klima-Image

Das Bild von China als Klimasünder hat sich festgesetzt bei vielen, die sich Sorgen machen um Treibhausgase und Luftverschmutzung. Staatschef Xi Jinping will mit aller Kraft und hohen Investitionen weg vom Schmuddel-Image. Mehr als 100 Milliarden US-Dollar investiert China laut einer McKinsey-Studie pro Jahr in den Ausbau erneuerbarer Energien. Also mehr als die USA und Europa zusammen.

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Ye Tan ist Unternehmensberaterin mit eigener Firma in Shanghai. Auch sie beobachtet, dass die Regierung viel Geld in Ökostrom-Förderung steckt. Sie sieht aber auch, dass nach chinesischer Auffassung auch Atomenergie dazu gehört. "In China unterscheidet man lediglich zwischen fossiler und nicht-fossiler Energie. Fossile schließt Kohle und Gas mit ein. Und nicht-fossile, das sind Wind-, Solar- und Wasserkraft, aber auch Atomenergie. Die mag im Westen nicht als umweltfreundlich gelten, aber hier in China schon", erklärt die Unternehmensberaterin.

Deutsche Firmen verdienen mit

Dass China ein Vorreiter ist, etwa beim Solarstrom, lässt sich nicht leugnen. Laut der Internationale Energie-Agentur IEA kamen 60 Prozent aller weltweiten Solarzellen im vergangenen Jahr aus China. Chinesische Firmen wie Jinko Solar oder Suntech machen gute Geschäfte - sowohl im eigenen Land als auch weltweit. Viele deutsche Solar-Firmen mussten aufgeben. Trotzdem können die Deutschen weiter mitverdienen beim Solar-Boom - in China.

Peter Wawer verantwortet das Industriegeschäft beim Dax-Konzern Infineon, dessen Chips dafür sorgen, dass der Solar-Strom auch ins Netz kommt. Er erklärt, dass auch beim Thema Windenergie China an vorderster Stelle mitspielt. "Zwei der zehn größten Windkraft-Firmen sind chinesisch. Die beiden Konzerne Envision und Goldwind sind auf den Plätzen sechs und drei weltweit. Siemens-Gamesa hält den zweiten und die dänische Vestas den ersten Platz."

China pumpt seine grünen Energiefirmen voll mit Subventionen. Der Staat will zeigen: Wir machen Ernst mit Ökostrom und wir lassen Umweltsünder nicht mehr so leicht davonkommen wie früher. Fabriken etwa, deren Filter-Anlagen nicht fit sind, bekommen Ärger. Seit Jahresbeginn wurden 40 Prozent mehr Umweltverstöße gerichtlich verfolgt, sagen die Behörden. Mehr als 3-einhalb tausend Verantwortliche in Chinas Industrie wurden deshalb vor Gericht gestellt. Klima-Politik, das ist in China immer auch das Ringen um saubere Luft.

Ziel: Eine weltweite Führungsrolle

Liu Youbin, Sprecher des Umweltministeriums in Peking, meint, dass es oft eine falsche Sicht auf die chinesische Klimapolitik gebe. "Manche haben die Sorge geäußert, dass wir Lockerungen zulassen, etwa bei der Kontrolle der Luft-Verschmutzung. Und zwar weil von außen Druck auf uns ausgeübt wird. Lassen Sie mich Ihnen sagen: Das ist nicht der Fall. Das würde ja dazu führen, dass wir hier mehr Tage mit Smog haben. Und die Luftverschmutzung insgesamt steigen würde. Aber davor muss niemand Angst haben."

Die Staatsführung in China hat die Gründe für grüne Energie und die Einhaltung von Klima-Zielen fest im Blick: bessere Luft. Und die Führungsrolle in einer weltweit wichtigen Industrie.

Sendung: hr-iNFO, 26.11.2018, 09.50 Uhr

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