Verkehrsstau in Peking
In Peking ist nicht nur der Verkehr ein Problem, sondern auch die Luftverschmutzung. Bild © picture-alliance/dpa

Auf Chinas Straßen sind die allermeisten Autos Benziner. Nun wird allerdings der Kauf von E-Autos vorangetrieben. Ob die Chinesen wollen oder nicht.

Li Qi ist stolz auf sein neues Auto. Ein chinesischer Wagen. "Geely" heißt die Marke. Eine Woche ist es alt. Es riecht noch ganz neu, die Plastikbezüge sind noch auf den Sitzen.  Li Qi fährt erstmal ohne Nummernschilder. Die kommen erst in ein paar Tagen. Und sie werden grün sein. Daran kann man in China Elektroautos erkennen.

Li Qi steht stolz vor seinem neuen Elektro-Auto
Li Qi hat sich einen Geely gekauft. Bild © ARD

"Ich brauche ein Auto, weil ich zwei Kinder habe", erzählt der 29-jährige, der allerdings lieber einen Benziner gekauft hätte, mit normalem, blauem Kennzeichen. Auch wenn er damit an einem Tag in der Woche nicht hätte fahren dürfen. Li Qi hatte aber kein Glück bei der Nummernschild-Lotterie.

Billiger als mit der U-Bahn

Peking, wie viele andere chinesische Städte mit chronisch verstopften Straßen, begrenzt die Zahl der Autos, die neu dazukommen. Weil die Stadt neben einem Verkehrs- auch ein Luftverschmutzungsproblem hat, zwingt die Stadtverwaltung nun quasi die Bewohner, Elektroautos zu kaufen.

Nur 40.000 Benziner werden dieses Jahr in Peking zugelassen, inklusive so genannter Plugin-Hybrid-Fahrzeuge. Gleichzeitig wird die Stadt 60.000 Lizenzen für reine E-Autos herausgeben – zum ersten Mal mehr als für Benziner. Li Qi wird sein E-Auto künftig zuhause vor seinem Wohnblock laden. Beim Bestellen konnte er eine Ladestation gleich dazu kaufen. "Zuhause laden ist billig. Sogar billiger als mit der U-Bahn zu fahren", so Li Qi. Mittlerweile hat die 20-Millionen-Stadt Peking zwar mehr als 100.000 öffentliche Ladestationen. Doch häufig sind sie belegt. Oder von herkömmlichen Autos zugeparkt.

Deutsche Hersteller unter Druck

Ab kommendem Jahr müssen alle größeren Auto-Hersteller mindestens zehn Prozent Elektro- oder Plug-In-Hybriden in China verkaufen. Wer die Quote nicht erfüllt, zahlt Strafe. Auch wer eine neue Autofabrik bauen will, muss sich umstellen. "China vergibt keine Lizenzen für traditionelle Autohersteller mehr. Ab sofort, dürfen nur noch Fabriken für Elektro-Autos oder Plug-In-Hybriden gebaut werden", erklärt Zheng Zhilin von der Beratungsfirma LMC Automotive.

Damit wächst der Druck auf die deutschen Hersteller. Während ausländische Produzenten bei Autos mit Benzinmotoren ganz vorne mit dabei sind – VW mit seinen Joint-Ventures ist Marktführer in China – haben bei Elektroautos die Chinesen die Nase vorn. Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle zugelassenen E-Autos von rein chinesischen Konzernen.

Lange Distanzen sind das Problem

So stolz der junge Familienvater Li Qi  auf sein neues Elektroauto auch ist: Er träumt, wie viele Chinesen, weiter von einem Benziner. "In der Stadt ist ein Elektroauto praktisch. Aber wenn man in den Urlaub fährt, muss man sich ständig Sorgen machen, wie weit man noch kommt", erklärt er.

Sendung: hr-iNFO, 20.07.2018, 9.40 Uhr

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