Christine Lagarde

Christine Lagarde hat am Freitag ihre Amtszeit als Chefin der EZB angetreten. hr-iNFO stellt die Nachfolgerin von Mario Draghi vor.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Lagarde: Die erste Frau an der Spitze der EZB

Podcast aktuell
Ende des Audiobeitrags

Es ist eine Charme-Offensive von Christine Lagarde. Vor drei Jahren zitierte sie bei einer Rede an der Goethe-Universität in Frankfurt den namensgebenden Dichter höchstpersönlich. "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", sagte sie – ausnahmsweise sogar auf Deutsch.

Normalerweise spricht die 63-jährige Französin bei Veranstaltungen Englisch, akzentfrei wohlgemerkt. Souverän und stets freundlich im Umgang und klar in der Sache: Dafür ist Lagarde bekannt. Die studierte Anwältin hat eine Blitzkarriere hingelegt. Acht Jahren stand sie an der Spitze des Internationalen Währungsfonds IWF und gilt als Mahnerin mit Weitblick.

Die Geldhähne bleiben offen

"Die Weltwirtschaft befindet sich an einem heiklen Punkt", warnte sie dieses Jahr bei einer Tagung. Weltweit sollten Zentralbanker deshalb mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Es könnte ein Hinweis darauf sein, wie die IWF-Chefin künftig an der Spitze der EZB agieren könnte. Sie dürfte die Geldhähne wie bisher weit geöffnet lassen.

"Solange die Inflationsrate nicht das vorgegebene Ziel erreicht, sollte jede Zentralbank auf der Welt weiterhin geldpolitisch unterstützen", sagte sie in einem Interview vergangenes Jahr. Von dem ersehnten Ziel einer Inflationsrate von nahe zwei Prozent sind die europäischen Währungshüter weit entfernt. Gleichzeitig wird Lagarde nicht müde zu betonen, dass Geldpolitik nicht "das Alpha und Omega" der wirtschaftlichen Erholung sein kann.

Kritik aus Griechenland

Dies ist eine klare Botschaft an die europäische Politik, dringend notwendige Reformen endlich umzusetzen und nicht nur darüber zu reden. Es war ein Riesenstreitpunkt, gerade während der Eruo-Schulden-Krise, als Griechenland vor der Pleite gerettet werden sollte. Milliarden-Kredite wurden aufgelegt, möglich machte das auch der IWF.

Damals warfen allerdings die Griechen Lagarde vor, für strenge Auflagen zu plädieren. "Ja, ich habe mein Geld zurück", jubelte Lagarde als wieder einmal Geld aus Griechenland zurücküberwiesen wurde. Bald hatte sie den Ruf der eisernen Lady mit dem Silberhaar weg.

"Knallharte Lady, die weiß, was sie will"

Lagarde kommt ursprünglich selbst aus der Politik. Unter anderem war sie französische Finanzministerin, hat also viel Erfahrung. Dass sie die EZB unabhängig leiten kann, jenseits politischer Interessen, dafür auch fachlich geeignet ist, steht für europäische Politiker wie Mark Rutte außer Zweifel. "Ich kenne sie als knallharte Lady, die weiß, was sie will. Ich möchte nicht das Land sein, das zur EZB geht, um die Notenbanker um etwas zu bitten", so der niederländische Ministerpräsident.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 31.10.2019, 17.55 Uhr

Jetzt im Programm