Zwillingstürme der Deutschen Bank gespiegelt in einer Tür einer Commerzbankfiliale

Um Korruption, Geldwäsche oder Steuerhinterziehung im eigenen Haus zu verhindern, setzen viele Unternehmen auf sogenannte "Compliance"-Abteilungen. Was dort genau passiert und ob das funktionieren kann, haben wir uns bei der Commerzbank angeschaut.

"Was mich motiviert ist, dass man als Compliance-Officer beiträgt, die Welt ein bisschen besser zu machen, so abgedroschen, wie sich das anhört", erzählt Hans-Georg Beyer. Er ist einer der internen Kontrolleure bei der Commerzbank. Zusammen mit seinen Kollegen verhindert er zum Beispiel, dass hier Geld, etwa aus illegalen Waffengeschäften, reingewaschen wird oder Mitarbeiter ihr Wissen über die Bank missbrauchen und Insidergeschäfte tätigen.

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Damit das alles nicht passiert, setzen die Compliance-Officer intern entsprechende Regeln auf, schulen Mitarbeiter, kontrollieren. Ein verantwortungsvoller Job, den der Kontrolleur Leonard Ghione größtenteils vom Schreibtisch aus erledigt: "E-Mails anschauen, die über Nacht reingekommen sind, schauen, ob neue Problemfälle aufgetaucht sind, ob die Kontrollen adäquat laufen, das ist der Start für den Tag."

Es folgen gerade in Corona-Zeiten Videokonferenzen und Telefonate. Wenn möglich, sprechen die Kontrolleure auch mit Mitarbeitern persönlich, zum Beispiel darüber, ob ein Geschäft in der Form gemacht werden darf oder nicht - ob es rechtlich vertretbar ist. "Da gibt es Konfliktpotenzial, da gibt es Diskussionspotenzial. Dabei keine Angst zu haben und einen guten Weg zu finden, der mal zu einem Kompromiss führen kann, mal nicht standhaft zu bleiben, das ist ein ganz wichtiger Aspekt", so Ghione.

Kontrolle funktioniert nicht optimal

Das Kerngeschäft der Kontrolleure ist es allerdings, dass sie alle relevanten Daten der Bank von IT-Systemen durchscannen lassen. Gibt es Auffälligkeiten, zahlen etwa Kriminelle oder Drogenbosse Geld ein oder fließt an sie Geld? Sobald verdächtige Namen und Zahlungsmuster auftauchen, schlägt das interne Überwachungssystem Alarm.

Recherchen auf der Basis von einem Datenleck mit dem Stichwort Fincen-Files legen jedoch nahe, dass diese Kontrollen bei der Commerzbank zumindest in der Vergangenheit nicht immer optimal funktioniert haben. Von der Bank heißt es dazu, dass man in dem Bereich seit 2015 mehr als 800 Millionen Euro investiere und die Zahl der Mitarbeiter deutlich aufgestockt worden sei.

Portal für Whistleblower

Bei den Compliance-Officern melden sich auch immer wieder Whistleblower, berichtet Kontrolleur Beyer: "Im Intranet gibt es dafür eine IT-Oberfläche, wo die Mitarbeiter eintragen können: 'Ich habe einen konkreten Geldwäsche-Verdacht, geht zu unserer Abteilung.' Die prüft dann, ob sich der Verdacht erhärtet." Falls dies der Fall ist, geht eine Meldung an die Aufsichtsbehörden raus.

Mit den Behörden stehen die Kontrolleure generell im engen Austausch. Sie berichten außerdem regelmäßig an den Vorstand und den Aufsichtsrat der Bank. Alle entscheiden dann zusammen mit den Personalern, was mit Mitarbeitern passieren soll, die grob gegen die internen Regeln verstoßen haben, erklärt Kontrolleur Beyer: "Das kann von einer Ermahnung bis zu einer Abmahnung, im schlimmsten Fall auch bis zu einer Kündigung führen." Solche Fälle gebe es allerdings äußerst selten.

Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 06.10.2020, 06 bis 09 Uhr

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