Im Vordergrund ein Schild mit der Aufschrift "Impfplatz 2". Dahinter - unscharf - ein Corona-Impfzentrum.

Die STIKO empfiehlt seit Februar die vierte Impfung insbesondere für über 70-Jährige. Und auch Mediziner raten: lieber früher als später. Doch Hessens Senioren sind bislang eher zurückhaltend. Woran liegt das?

Schon drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung sollten Senioren über einen zweiten Booster nachdenken, empfiehlt die Ständige Impfkommission. Bei einer Zufallsumfrage in Frankfurt zeigt sich: Viele warten aber lieber noch ab.

Vierte Impfung vor allem bei Risikogruppen wichtig

Maria Vehreschild, Leiterin der Infektiologie an der Frankfurter Uniklinik, rät dazu, Risiko und Nutzen abzuwägen. Aber wenn man einer Risikogruppe angehört, also über 70 ist, im Altenheim lebt oder eine Immunschwäche hat, dann ist die Sache klar, sagt sie: "Die vierte Impfung ist vor allem bei den Risikogruppen wichtig, um eben wieder den optimalen Impfschutz zu erreichen. Bei den anderen Gruppen, da haben wir nicht so einen großen Zugewinn an Impfschutz, aber eben bei diesen Gruppen."

Und denen rät sie: eher früher als später. Denn bei den Inzidenzen im Moment sei das Risiko hoch, sich anzustecken. Immerhin den ersten Booster haben die meisten Senioren in Hessen. Schon drei Viertel von ihnen haben die dritte Impfung bekommen, und der Großteil könnte sich jetzt auch schon die vierte Spritze holen. Aber die wenigsten tun es. Die hessischen Arztpraxen haben bisher erst 90.000 vierte Impfungen verabreicht. Zur Risikogruppe gehören aber mehr als zehn Mal so viele Menschen.

Bislang Zurückhaltung bei vierter Impfung

Woran die Zurückhaltung liegt, ist nicht klar. Angst vor zu viel Impfstoff hält die Infektiologin Vehreschild für unbegründet: "Die Gefahr einer Über-Impfung besteht nicht, denn in diesen Gruppen ist es ja gerade so, dass der Impfschutz relativ schnell nachlässt. Aber es ist auch grundsätzlich so, dass es keine Gefahr einer über Über-Impfung gibt bei diesen Impfungen."

Einen anderen Aspekt hält sie schon eher für bedenkenswert: Man könnte ja noch auf eine neue Impfstoff-Generation warten, die auf den derzeit grassierenden Omikron-Typ des Virus angepasst ist. Aber, sagt Vehreschild: "Wir wissen auch noch nicht ganz genau, wann die angepasste Impfung auch wirklich hier erhältlich sein wird. Und die letzten Informationen, die ich erhalten habe, haben eher für April oder auch Mai gesprochen. Ganz klar scheint das aber noch nicht zu sein."

Also vielleicht auch noch später. Um sich für die gerade anschwellende sechste Welle zu wappnen, sei das zu spät. Und auch der aktuelle Impfstoff schütze gut, zumindest vor einem schweren Verlauf von Covid.

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