Mitarbeiterin der Nationalen Griechischen Gesundheitsorganisation EODY mit Teststäbchen beim Abstrich für einen Antigen Schnelltest.

Noch im September hatte Griechenland um Urlauber geworben, nun aber sind die Corona-Zahlen sprunghaft angestiegen. Das Land wird trotz Ausgangssperre zum Corona-Hotspot, das Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen.

Hektik in der Intensivstation eines Krankenhauses in Thessaloniki. Eine Krankenschwester in weißem Schutzanzug erklärt einem Patienten, der gerade aus der Narkose erwacht, dass er an ein Beatmungsgerät angeschlossen ist und dass er deshalb nicht sprechen kann. Die Krankenschwester hält die Hand des Patienten und nickt ihm aufmunternd zu – soweit das hinter der Maske und der Schutzbrille geht.

Die Betten auf der Intensivstation sind alle belegt – wie in den anderen Krankenhäusern Thessalonikis auch. Hier, in der zweitgrößten Stadt Griechenlands, ist die Zahl der Corona-Patienten jetzt sieben Mal höher als bei der ersten Welle im Frühjahr. "Ich bin sehr besorgt, wie sich das entwickelt. Die Zahlen machen Angst", sagt der Krankenhaus-Arzt Vassilis Voutsas.

Not-Krankenhaus in Thessaloniki

Die Zahl der Patienten sei deutlich in die Höhe gegangen. Der Druck auf die Intensivstationen wachse. "Und die Patienten in den Intensivstationen sind jünger. Statt 80-Jährigen haben wir Patienten, die 40, 50 oder 60 Jahre alt sind", so Voutsas.

In Thessaloniki hat die Armee ein Not-Krankenhaus aus Containern und Zelten mit 50 Betten aufgebaut. Mit einem Sonderzug wurden Patienten in andere Städte Griechenlands gebracht, die noch Intensivbetten frei haben. Aber es wird überall eng.

Zu viel private Treffen

Bis zum Spätsommer war Griechenland glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Im ersten Halbjahr der Pandemie, von Februar bis Ende August, starben in Griechenland insgesamt 210 Personen an oder mit Corona. Allein am vergangenen Wochenende waren es genauso viele: 210 Tote in zwei Tagen. Für Griechenland, mit elf Millionen Einwohnern, eine hohe Zahl.

Montagabend im staatlichen Fernsehen: Die Ärztin Vana Papaevangelou vom Krisenstab der Regierung mahnt, dass es nicht reiche, nur die Regeln der Ausgangssperre zu beachten. Das Virus lauere auch in den Wohnungen. "Es kommen immer noch zu viele Menschen in Privatwohnungen zusammen - trotz Lockdown. Jeder von uns muss seinen persönlichen Lockdown machen, jeder muss seine Kontakte auf eine kleine Gruppe von Verwandten oder Bekannten beschränken", fordert sie.

Mit den Nerven am Ende

Verbote, Einschränkungen, Mahnungen. Viele Griechen sind mit den Nerven am Ende, aber es gibt keine Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen. Alle Schulen sind geschlossen, ebenso alle Läden bis auf Lebensmittelgeschäfte, Restaurants sowieso. Nach 21 Uhr darf niemand vor die Tür, vorher nur aus wichtigem Grund.

Der Lockdown in Griechenland wird in den Dezember verlängert, damit das Virus sich nicht weiter ausbreitet, damit die Krankenhäuser es schaffen, alle Patienten zu behandeln. "Wir hoffen, das gerät hier nicht außer Kontrolle", sagt Vassiliádou, aber sie will keine Angst schüren und versichert sogleich: "Wir wären auch darauf vorbereitet. Wir bleiben hier. Wir gehen nicht nach Hause."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 24.11.2020, 9-12 Uhr

Jetzt im Programm