Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit.

Die steigenden Zahlen innerhalb der Wissenschaft machen Hoffnung: Immer mehr Projekte zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffs machen Fortschritte. Ein Überblick über den Stand der Forschung.

Schon zwei Impfstoffprojekte sind inzwischen auf dem Weg, eine Zulassung in der Europäischen Union zu beantragen. Für den Impfstoff der britisch-schwedischen Firma AstraZeneca, der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt wird, ist in der vergangenen Woche ein sogenanntes „Rolling Review“-Verfahren eingeleitet worden. Der Impfstoff der Mainzer Firma BioNTech folgte am Dienstag (6. Oktober).

Der Zulassungsantrag wird für die Impfstoffe schrittweise erarbeitet, während die dritte Phase der Prüfung noch läuft. "Rolling Review bedeutet, dass schon kleinere Datenopakete vorgelegt werden können und direkt bewertet werden", erklärt Klaus Cichutek, Präsident des Paul Ehrlich Instituts, das in Deutschland für Impfstoffe zuständig ist. "Es werden Rückfragen gestellt und die Antragsteller haben Gelegenheit, auf die Fragen zu antworten, bis dann irgendwann der Antrag vollständig ist."

Zehn Projekte in Phase 3

Die Prüfung der Zulassungsanträge liegt in den Händen der Europäische Arzneimittelbehörde EMA – unter Einbeziehung der nationalen Behörden, also auch des Paul Ehrlich-Instituts. Die EMA wägt ab, ob bei den Impfstoffen der Nutzen höher ist als die Risiken. "Dann gibt es eine Empfehlung für Zulassung oder nicht an die Europäische Kommission", so Cichutek. Die Kommission entscheide dann endgültig über die Zulassung. "Und das heißt, mit einem Antrag, mit einem Bewertungsverfahren gilt dann die Zulassung in allen europäischen Mitgliedsstaaten."

Inzwischen sind schon zehn Projekte, nach anderer Zählung sogar elf Projekte in der Phase 3, der letzten Phase vor der Zulassung: Die Impfstoffe werden hier an mehreren tausend Menschen getestet, um mögliche seltene Nebenwirkungen zu entdecken und um zu testen, ob die Impfung auch wirklich vor einer Infektion schützt.

"Sind auf einem sehr guten Weg"

Viele weitere Impfstoffprojekte befinden sich zudem in früheren Phasen der klinischen Testung, also der Überprüfung am Menschen. Das Projekt der Tübinger Firma CureVac ist derzeit in Phase 2 – und seit Anfang Oktober hat ein weiteres deutsches Impfstoffprojekt den Sprung in die Phase 1 der klinischen Prüfung geschafft: Koordiniert wird es vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), der Marburger Virologe Stephan Becker ist einer der Beteiligten.

"Wir sind sehr froh, dass wir in den nächsten Tagen die ersten Probanden rekrutieren und dann kann es schon bald losgehen mit der eigentlichen Studie", so Becker. Durchgeführt wird die Studie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Falls die Studien erfolgreich sind, dürfte es aber noch bis Ende 2021 dauern, bis der vom DZIF entwickelte Impfstoff auf den Markt kommt.

Da derzeit so viele verschiedene Impfstoffe gegen das neue Coronavirus in der Entwicklung sind, zieht Klaus Cichutek eine positive Bilanz: "Aus Sicht des Paul Ehrlich-Institus sind wir auf einem sehr guten Weg hinsichtlich der Zulassung mehrerer Impfstoffprodukte weltweit.“ Cichutek rechnet mit ersten Zulassungen in der EU bis Anfang des nächsten Jahres. Bis größere Teile der Bevölkerung auch geimpft werden können, dürfte es aber noch länger dauern, da der Impfstoff dafür in großen Mengen benötigt wird, die erst hergestellt und verteilt werden müssen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.10.2020, 15 bis 18 Uhr

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