Eine Frau in weißem Kittel und mit Mundschutz spritzt eine Frau sitzend mit Kopftuch

In Afrika werden kaum Menschen gegen Covid-19 geimpft. Zu wenig Impfdosen sind vorhanden, da einige wenige Länder den Großteil aufgekauft haben. Die WHO fordert gemeinsam mit anderen Organisationen, den Kontinent nicht im Stich zu lassen.

Das Dorf im Westen Kenias hat Besuch bekommen. Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich sind mit einer blauen Kühlbox angerückt. Darin Impfdosen von Astra Zeneca. Die Älteren im Dorf sollen geimpft werden. Rose Akoth ist eine der Gesundheitshelferinnen, die bei den Impfungen dabei sind. Sie sieht die Aktion mit gemischten Gefühlen: "Wir machen uns Sorgen. Was passiert, wenn die Leute nur die erste Dosis bekommen können? Damit sie richtig geschützt sind, müssten sie zweimal geimpft werden."

Fast aller Impfstoff ausverkauft

Doch in Kenia fehlt es an Nachschub, seit Indien keinen Impfstoff mehr exportiert. Etwa eine Million Menschen haben bisher ihre erste Dosis bekommen – weniger als zwei Prozent der Bevölkerung. Das Impftempo in Kenia ist damit aber noch schneller als in anderen Ländern auf dem Kontinent. Afrika steht bei der Verteilung hinten an, sagt der Chef der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus: "Die Impfkrise zeigt eine skandalöse Ungleichheit und führt dazu, dass die Pandemie anhält. Mehr als 75 Prozent aller Impfungen sind bisher in gerade einmal zehn Ländern verteilt worden. Es gibt keinen Weg, das diplomatisch zu sagen. Eine kleine Gruppe von Ländern, die fast alle Impfstoffe aufkaufen, bestimmt das Schicksal der restlichen Welt."

Zusammen mit Vertretern von Weltbank, Welthandelsorganisation und des Internationalen Währungsfonds hat der WHO-Direktor einen Aufruf verfasst. 50 Milliarden Dollar seien notwendig, um die Pandemie in den Entwicklungsländern schneller zu beenden. Neue Infektionen und Todesfälle könnten so verhindert werden. Gleichzeitig würden die Investitionen dazu beitragen, dass sich die Wirtschaft weltweit schneller erholt. In kurzer Zeit würde so ein Vielfaches der Ausgaben wieder reingeholt. Eine klassische Win-Win-Situation.

Es muss schnell gehen

Investiert werden soll unter anderem in die Produktion von Impfstoffen in Afrika. Die Direktorin der Welthandelsorganisation Ngozi Okonjo-Iweala fordert zwar nicht direkt eine Aufhebung der Patentrechte. Es gehe aber langfristig darum, die nötigen Technologien und Wissen an Entwicklungsländer weiterzugeben. "Wir müssen ganzheitlich denken. Es geht nicht darum, das eine zu tun und das andere zu lassen. Und es muss schnell gehen, denn wir riskieren Menschenleben. Ich will nicht, dass wir Jahre brauchen, um hierüber zu verhandeln", so Okonjo-Iweala.

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„Die Zahl der weltweit verteilten Dosen wäre ausreichend gewesen, um [...] alle älteren Menschen zu impfen, wenn sie gerecht verteilt worden wären.“ Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Chef
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Außerdem appelliert die Weltgesundheitsorganisation an Länder, die ihr Gesundheitspersonal, Alte und Vorerkrankte schon durchgeimpft haben, etwas von ihren Dosen abzugeben. Eigentlich sei genug für alle da, meint WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: "Die Zahl der weltweit verteilten Dosen wäre ausreichend gewesen, um alle Mitarbeiter im Gesundheitsbereich und alle älteren Menschen zu impfen, wenn sie gerecht verteilt worden wären."

In Kenia wie in vielen anderen afrikanischen Ländern ist ein großer Teil des Gesundheitspersonals noch nicht geimpft. Arzt Ngala Mwendwa arbeitet im größten öffentlichen Krankenhaus und hat immerhin schon eine Impfung mit AstraZeneca bekommen. Dass es in zwölf Wochen auch die zweite Spritze gibt, darauf könne er nur hoffen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 02.06.2021, 12 bis 15 Uhr

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