Die meisten Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, erkranken nicht schwer. Aber es gibt sogenannte Risikogruppen. Zu denen zählen auch Drogenabhängige.

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Ein Spritzbesteck liegt bereit.
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In der Niddastraße im Frankfurter Bahnhofsviertel herrscht dichtes Gedränge. Ungefähr 30 bis 40 Drogenabhängige warten vor dem Druckraum. Auf dem Boden kauert eine Frau und setzt sich einen Schuss. Ein Mann schläft an ihrer Schulter. Alles geschieht auf engstem Raum. Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands von zwei Metern? Fehlanzeige.

Der Schwarzmarkt bricht zusammen 

Die Menschen hier haben andere Sorgen. Dennoch tragen viele eine Atemschutzmaske. Die Angst vor Corona ist auch unter den Abhängigen präsent, bestätigt Christoph Lange. Er leitet die Drogenhilfeeinrichtung "Eastside" ein paar Kilometer weiter im Frankfurter Ostend. "Viele von den Drogenabhängigen gehören von den Begleiterkrankungen und einer oft geschwächten Gesamtkonstitution zu den besonderen Gruppen in Bezug auf das Coronavirus", erklärt er. Neben dem Virus selbst sind vor allem die indirekten Folgen der Corona-Epidemie verehrend für Drogenabhängige.

Ihre Haupteinnahmequellen – betteln und Flaschensammeln – brechen durch die Ausgangsbeschränkungen weg. Durch die geschlossenen Grenzen ist es zudem schwieriger, an Drogen zu gelangen. "Der Schwarzmarkt von Heroin und anderen Substanzen bricht zusammen. Viele Drogenkonsumentinnen werde bedrohliche und unbegleitete Entzugssituationen erleben", warnt der Einrichtungsleiter.

 "So weit es geht geöffnet"

Das kann tödliche Folgen haben. Die medizinische und psychologische Betreuung in den Drogenhilfeeinrichtungen ist derzeit stark eingeschränkt. Was ist wenn dort das Coronavirus ausbricht? Wo werden infizierte Drogenabhängige untergebracht? Diese Fragen beschäftigen Lange.

Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) kennt die Probleme und bemüht sich um eine Lösung. Doch die hat auch er bislang noch nicht. "Die Einrichtungen sind, so weit es irgendwie geht, weiter geöffnet", verspricht Majer. Erst in der vergangenen Woche gab es in eier Einrichtung einen Corona-Verdachtsfall, der sich zum Glück aber nicht bestätigt habe. "Wir wissen aber natürlich, es kann jederzeit soweit sein." 

Viel Einsicht bei Kontrollen

Wie überall gilt es, die Ansteckung möglichst gering zu halten. Unter anderem durch Kontaktbeschränkungen. Für die Kontrollen sorgt natürlich auch im Bahnhofsviertel das Ordnungsamt. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir mit Gesprächen sehr viel erreichen. In sehr vielen Fällen haben wir es dann auch mit einsichtigen Menschen zu tun", so Amtssprecher Michel Jenisch.

Es geht um Regeln, an die sich jeder halten soll. Zum Schutz der Risikogruppen, zu denen auch die Drogenabhängigen gehören. Weil jeder das Corona-Virus übertragen kann. Ob abhängig oder nicht.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.03.2020, 6-9 Uhr

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