Frau mit Corona-Maske

Eine Corona-Infektion kann gefährliche Nachwirkungen haben: Am häufigsten berichten Patienten vom Verlust des Geruchssinns, bei bis zu 20 Prozent aller Fälle kehrt er auch nach Monaten nicht zurück. Oder die Nase spielt verrückt, wie das Beispiel eines Ehepaars aus Kassel zeigt.

Jacqueline Sander wollte sich gerade einen frischen Pfefferminztee aufgießen. Schon beim Pflücken der Blätter merkte sie, dass etwas anders war: "Ich habe dran geschnuppert und dann habe ich überlegt: Irgendwie stimmt da was nicht. Dann hab ich gedacht: Ja okay, ich glaube, das Riechen ist weg." Jacqueline Sander und ihr Mann Bernd aus Kassel hatten beide Corona. Ihre Erkrankung liegt schon Monate zurück. Ihr Geruchssinn ist trotzdem immer noch weg. Bei ihrem Mann war es der Kaffee am Morgen, bei dem ihm auffiel, dass da nichts mehr ist.

Virus schädigt Riechzellen

Was genau macht Corona mit unserem Geruchssinn? Das erforscht Professor Thomas Hummel am Zentrum für Riechen und Schmecken der Uniklinik Dresden. "Was neu ist mit der Corona-Pandemie, dass offenbar das Virus auch in einem sehr viel größeren Maße auch die Riechzellen schädigt", sagt er.

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Über die Hälfte aller Coronapatienten können während ihrer Erkrankung kaum oder gar nichts mehr riechen.

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Beim Riechen steigen Duftmoleküle in die Nase auf und docken an den Riechzellen an. Im Gehirn, im sogenannten Riechkolben, werden die Signale verknüpft und mit Erinnerungen abgeglichen: Ein Geruch entsteht, zum Beispiel nach Pfefferminz oder Kaffee. Hat das Coronavirus die Riechzellen geschädigt, werden Gerüche kaum oder gar nicht mehr wahrgenommen. Und auch der Geschmackssinn ist dann gestört, erklärt Thomas Hummel: "Das ist eben, was bei Leuten mit postviralen Riechstörungen der Fall ist, dass sie auch nicht mehr den Feingeschmack aufweisen, dass sie den nicht mehr haben und denken, sie können gar nicht mehr schmecken. Also das Essen schmeckt dann recht fade." 

Verlust kann zu Depressionen führen

Nichts riechen, nichts schmecken - das schränkt die Lebensqualität erheblich ein und kann zu Depressionen führen. Doch es gibt noch ein anderes Phänomen, von dem Patienten nach einer Corona-Infektion berichten: eine Geruchsverwirrung. Dinge riechen plötzlich anders als sie sollten. Thomas Hummel erklärt, wie das sein kann: "Beim Riechen geht es um Codierung. Es entstehen ja Duftcodes, also Muster, die im Gehirn verarbeitet werden, und diese Muster stimmen zumindest anfangs oder längere Zeit dann auch nicht. Und so wird statt Vanille dann irgendwas Verbranntes wahrgenommen." 

So einen verdrehten Geruch hat auch die Bratwurst, die Jacqueline Sander gerade isst.  "Es riecht definitiv wie Blümchen. Ich würde sagen, gemischt mit einem leichten Zitronenduft, also gar nicht nach Bratwurst." Eine Bratwurst, die nach Blume riecht: Das ist zwar merkwürdig, aber es gibt auch sehr viel unangenehmere Fehlgerüche. Die Düfte ihrer früheren Lieblingsparfüms kann Jacqueline Sander heute nicht mehr ertragen. "Der eine riecht wie Räucherstäbchen, der andere riecht wie Sand. Ja, schon sehr abgewandelt." 

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht: Im Gegensatz zu anderen Nervenzellen können sich die Riechzellen wieder erneuern. Durch spezielle Riechtrainings versucht Thomas Hummel den Geruchssinn seiner Patienten wieder anzuregen. Bei einem Viertel der Testpersonen konnte er danach Verbesserungen ihrer Riechleistung feststellen. Eine Hoffnung, auch für das Ehepaar Sander. Vielleicht riecht und schmeckt der Kaffee irgendwann nicht mehr nach Pappe, sondern einfach nach gutem Kaffee. 

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.3.2021, 15 bis 18 Uhr

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