Hand hält Smartphone mit geöffneter Corona-Warn-App

Im Frühjahr waren die Hoffnungen riesig, die auf der Corona-Warn-App ruhten. Experten wie RKI-Chef Wieler warnten aber schon damals, die Anwendung werde nicht alle Probleme lösen. Bayern Ministerpräsident Söder sagte jetzt, die App sei ein "zahnlosen Tiger". Wo liegen die Stärken und Schwächen der App?

Wer am Dienstagmorgen seine Corona-App öffnete, bekam gleich den Hinweis auf neue Funktionen: Die deutsche Warn-App vernetzt sich jetzt mit denen anderer Länder. Bis zum Jahresende sollen 16 EU-Staaten dabei sein. Sie kann also künftig auch dann warnen, wenn man in der österreichischen Bergbahn länger dicht neben einem Italiener stand, der später positiv auf Corona getestet wurde.

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Zum Artikel Die Corona-Warn-App - und was sie eigentlich leisten sollte

Eine Person mit Schutzmaske,Mundschutz, Community Maske blickt auf ihr Smartphone. Die App zeigt NIEDRIGES RISIKO einer Ansteckung an.
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Außerdem - nur mit entsprechendem Testergebnis sichtbar - gibt es für positiv Getestete jetzt die Möglichkeit einzutragen, wann sie welche Symptome hatten. Das soll präzisere Warnungen ermöglichen, denn die Ansteckungsgefahr ändert sich im Krankheitsverlauf.

"Ein Werkzeug unter vielen"

Gut vier Monate gibt es die deutsche App mittlerweile, geschätzt 16 Millionen Menschen in Deutschland nutzen sie. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bewertete das zur 100-Tage-Bilanz Ende September als positiv.

Für ihn ist die App ein wichtiges Werkzeug, "aber eben ein Werkzeug unter vielen in dieser Pandemie." Spahn dämpft die Erwartungen, denn er kennt die Kritik, dass die App nicht genug bringe.

Das leistet die App

Um das einzuschätzen, ein paar Fakten zur Funktion: Die Corona-Warn-App registriert via Bluetooth-Technologie, wie lange sich Mobiltelefone wie nahe kommen. Wird jemand positiv getestet und trägt dieses Testergebnis in der App ein, werden Kontaktpersonen benachrichtig und deren Infektionsrisiko berechnet - abhängig von Abstand und Dauer der Begegnung.

Bei einem erhöhten Risiko leuchtet die Anzeige auf dem Handy rot. In diesem Fall empfiehlt die App, sich nach Hause zu begeben und das weitere Vorgehen mit dem Gesundheitsamt oder einem Arzt abzustimmen - etwa, ob ein Test nötig ist.

Neben Begegnungen mit erhöhtem Risiko weist die App auch auf Begegnungen mit niedrigem Risiko hin, sehr kurze Treffen zum Beispiel. Das Display leuchtet dann weiterhin Grün. In diesem Fall muss der Betroffene nichts weiter unternehmen, viele Nutzer finden diese Warnungen daher eher verwirrend.

Nicht alle tragen positives Ergebnis ein

Egal ob hohes oder niedriges Risiko: Wann eine Begegnung stattgefunden hat, gibt die App nie an. Eine bewusste Entscheidung, denn mit Datum und Uhrzeit wüsste man in vielen Fällen ziemlich genau, bei wem man sich angesteckt hat. Das wäre problematisch für den Datenschutz. Es könnte dazu führen, dass Menschen die App nicht mehr runterladen und dass positiv Getestete ihr Testergebnis nicht mehr eintragen. Etwa weil sie nicht wollen, dass ihr Nachbar oder ihre Geschäftspartnerin erfährt, dass sie sich angesteckt haben.

Ohnehin geben schon heute nur 60 Prozent der Nutzer, die über die App ein positives Testergebnis erhalten, dieses auch weiter - sie müssen der Weitergabe aktiv zustimmen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, das umzudrehen - wer nicht aktiv widerspricht, dessen Kontaktpersonen werden benachrichtigt.

Schneller als das Amt

Andere Vorschläge zielen darauf, die App präziser und damit attraktiver zu machen: Linus Neumann vom Chaos Computer Club zum Beispiel fände es sinnvoll, dass das Programm auch vor Risiko-Begegnungen bei Zusammenkünften warnen würde. Denn wenn mehrere Menschen drinnen länger zusammenkommen, steigt das Infektionsrisiko auch dann, wenn sie Abstand halten.

Aktuell warnen laut Bundesregierung täglich etwa 500 infizierte Nutzer andere über die App - angesichts der Neuinfektionszahlen von Dienstag, die bei über 6000 liegen, ist das nicht sehr viel. Ein großer Vorzug aber bleibt: Wenn die App warnt, warnt sie schnell - viel schneller als die Gesundheitsämter das schaffen.

Sendung: hr-iNFO, 20.10.2020, 15 - 18 Uhr

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